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May 17, 2013

Visa will Gebühren bei Zahlungen mit Kreditkarten um 40 bis 60 Prozent senken – Ziel ist EU-Wettbewbsverfahren zu verhindern – IHA fordert Wettbewerbsbehörden auf weiter dagegen vorzugehen

(Berlin, 17. Mai 2013) Nach MasterCard will nun auch Visa-Europe seine Kreditkartengebühren senken, um weiteren EU-Wettbewerbsverfahren zu entgehen. Die Kartenorganisation Visa-Europe hat der Europäischen Kommission angeboten, künftig weniger Gebühren bei grenzüberschreitenden Kartenzahlungen sowie nationalen Kartenzahlungen in zehn Ländern zu verlangen. Das Interbankenentgelt soll bei 0,3 Prozent gedeckelt werden, was einer Gebührensenkung von 40 bis 60 Prozent entspricht.

Visa Card will Gebühren für Kreditkartenzahlungen senken

Der Handelsverband Deutschland (HDE) und der Hotelverband Deutschland (IHA) rufen die EU-Wettbewerbsbehörde dazu auf, sich nicht mit der Selbstverpflichtung von Visa-Europe zufriedenzugeben und die wettbewerbswidrige Praxis weiterhin im Auge zu behalten. Künftig dürfe nicht allein der Wettbewerb auf der Karteninhaberseite im Fokus stehen, sondern es müsse auch die Wahlfreiheit des Kartenanbieters auf der Akzeptanzseite beachtet werden.

EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia begrüßte die Erklärung in einer ersten Stellungnahme. Er kündigte an, das Kartellverfahren gegen Visa-Europe einzustellen, sofern Kunden, Wettbewerber und nationale Kartellbehörden keinen größeren Widerspruch anmelden. Der Handelsverband Deutschland und der Hotelverband Deutschland erklären ausdrücklich, dass die Wettbewerbsbehörden in Europa und Deutschland weiter gegen die Konditionen von Visa und MasterCard vorgehen sollten.

HDE und IHA sehen sich durch die Zugeständnisse von Visa bestätigt. Die Selbstverpflichtung zeige, dass das wettbewerbsrechtliche Vorgehen der EU-Kommission berechtigt sei und die Luft für die Kreditkartenorganisationen dünner werde. Die Verpflichtungserklärung sei daher ein gutes Zeichen im Kampf gegen die wettbewerbswidrigen Gebühren auf dem Kartenzahlungsmarkt. Zudem erhoffen sich beide Verbände dadurch mehr Bewegung in der Frage des grenzüberschreitenden Acquirings: Künftig wird ein Händler und Hotelier nun auch Verträge mit Partnern außerhalb Deutschlands für die Kartenakzeptanz eingehen dürfen.

„Voraussetzung bleibt allerdings, dass die nun gesenkten Gebühren auch weitergereicht werden an Händler sowie Hoteliers und nicht durch die Anhebung anderer Kostenblöcke wieder aufgehoben werden. Hier muss die Kommission genau hinschauen. Das Angebot von Visa ist somit ein erster Schritt, dem eine gesetzliche Regulierung auf europäischer Ebene folgen muss“, so Markus Luthe, Hauptgeschäftsführer des Hotelverbandes Deutschland und Ulrich Binnebößel, Kartenexperte des Handelsverbandes Deutschland. Beide kritisieren ferner, dass Deutschland nicht zu den Ländern gehöre, für die diese Regelung gilt. So wird die Zusage von Visa kaum Auswirkungen auf die Gebühren hierzulande haben.

Bereits Ende 2005 hat der Handelsverband Deutschland (HDE) gemeinsam mit dem Hotelverband Deutschland (IHA) eine Beschwerde beim Bundeskartellamt gegen die nationalen Interbankenentgelte eingereicht. Eine Entscheidung des Bundeskartellamtes steht noch aus.

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