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August 29, 2012

Neue Studie zum Freizeitverhalten der Deutschen: Fernsehen bleibt die unangefochtene Nummer 1 – Starke Zuwachsraten bei der Handy-, Internet- und Computernutzung – Digitale Spaltung der Gesellschaft setzt sich fort – Freizeitwünsche: Mehr Zeit zur Erholung und für soziale Kontakte

(Berlin, 29. August 2012) Die Stiftung für Zukunftsfragen – eine Initiative von British American Tobacco stellte nun in Berlin ihren “Freizeit-Monitor 2012” vor. Für diese Studie wurden über 4.000 Personen ab 14 Jahren repräsentativ (face to face) befragt, wie häufig sie welche Freizeitaktivitäten ausüben. Die neunstufige Skala reichte hierbei von „täglich“ bis zu „niemals“. Seit den 1980er Jahren stehen Fernsehen und Radio hören, Telefonieren und Zeitung lesen ununterbrochen auf den ersten Plätzen der häufigsten Freizeitaktivitäten der Bundesbürger. Daran hat sich auch 2012 nichts geändert: Das Fernsehen bleibt weiterhin das Leitmedium der Deutschen: 98 % der Bundesbürger schauen regelmäßig fern. Dabei landet der TV-Konsum in allen Lebensphasen auf dem ersten Platz. Professor Dr. Ulrich Reinhardt, Wissenschaftlicher Leiter der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen: „Nach wie vor wollen die meisten Bundesbürger sich am Abend von den Programmen der Sendeanstalten unterhalten, informieren und berieseln lassen. Dabei ist das Fernsehen jedoch zunehmend zu einem Nebenbeimedium geworden: Während des Zuschauens wird gegessen, telefoniert, die Wäsche gebügelt oder auch gelesen.“

Weiterhin beliebt bleiben außerdem Aktivitäten mit der Familie und dem Partner sowie regenerative Beschäftigungen wie Ausschlafen, seinen Gedanken nachgehen oder sich in Ruhe pflegen.

Freizeit-Monitor 2012 - 1

Die Medialisierung der Freizeit setzt sich fort
Im Fünfjahresvergleich zeigt sich darüber hinaus auch die zunehmende Dominanz der „neue Medien“. Fast zwei Drittel der Deutschen telefonieren mittlerweile mobil, 15 % mehr als noch im Jahr 2007. Noch deutlich höher sind die Zuwachsraten bei der Internet- und Computernutzung. Hierbei bleibt jedoch die digitale Spaltung weiterhin bestehen: Männer (59 %) nutzen das Internet nach wie vor öfter als Frauen (48 %), Westdeutsche (55 %) häufiger als Ostdeutsche (46 %) und Stadtbewohner (61 %) surfen mehr als die Landbevölkerung (46 %) im Netz. Die größten Unterschiede offenbaren sich in Hinblick auf Bildung und Alter der Befragten. So ist der Anteil der Internetnutzer mit Abitur mehr als doppelt so hoch wie der von Bürgern mit Hauptschulabschluss (73 % – 35 %). Und während vier von fünf unter 35-Jährigen (80 %) und immerhin noch mehr als die Hälfte der 35-54-Jährigen (59 %) regelmäßig im World Wide Web unterwegs sind, ist lediglich jeder vierte über 55-Jährige (26%) online.

Freizeit-Monitor 2012 - 2

Reinhardt: „Die Zuwachsraten bei der Internetnutzung steigen weiter an, verlangsamen sich jedoch. Und während es nur eine Frage von wenigen Jahren sein wird, bis die Internetnutzung bei den jungen Mitbürgern dasselbe Niveau wie das Fernsehen erreichen wird, wird es noch bis zum Ende des Jahrzehnts dauern, bis wenigstens die Mehrheit der älteren Generation online ist“.

Spontan sein, Schlafen und Sex – Was die Bundesbürger gerne häufiger machen würden
Erstmals greift der Freizeit-Monitor 2012 auch die Frage auf, welche Aktivitäten die Deutschen gerne öfter ausüben würden. Bei den regelmäßigen Aktivitäten landet das Bedürfnis ‚spontan genau das zu tun, wozu man gerade Lust hat‘, an ersten Stelle. Fast gleichauf werden auch die Bedürfnisse häufigeres Ausschlafen und mehr Sex genannt. Knapp dahinter folgen dann mehr Zeit fürs Hobby, für Sport sowie für Familie und Freunde. Deutlich geringer ist dagegen der Wunsch nach (noch) häufigerem Medienkonsum. Lediglich jeder vierte Bundesbürger würde gerne öfter den Computer nutzen oder im Internet surfen und nur jeder sechste nennt den Wunsch öfter zu telefonieren oder fernzusehen.

Freizeit-Monitor 2012 - 3

„Mehr Zeit zur Erholung und für soziale Kontakte – so lassen sich die Freizeitwünsche zusammenfassen. In einer zunehmend hektischen und medialisierten Welt wächst einerseits das Bedürfnis nach Ruhe und anderseits nach Geselligkeit. Gerade die junge Generation würde sich eigentlich lieber mit Freunden treffen, als nur mit ihnen zu skypen, zu posten, zu texten oder zu telefonieren. Doch in einem Freizeitalltag, der durch fast unbegrenzte Angebote und gleichzeitig chronische Zeitnot gekennzeichnet ist, liegen zwischen Wunsch und Wirklichkeit zunehmend Welten“, so der Wissenschaftliche Leiter der BAT-Stiftung für Zukunftsfragen.

Was die Mehrheit der Deutschen fast nie in Ihrer Freizeit macht
In der Freizeit eine Runde Golfen gehen, in Ruhe ein E-Book lesen, ein Theater besuchen, Videospiele spielen oder im Fitnessstudio trainieren? Für die große Mehrheit der Deutschen sind diese Aktivitäten nur sehr bedingt reizvoll. Aber auch ein Engagement in einer Bürgerinitiative oder ein Ehrenamt im Sportverein, in der Kirche oder Partei werden von den meisten Bundesbürgern seltener als einmal jährlich ausgeübt. Und realistisch müssen auch Facebook und andere Social Media Aktivitäten bewertet werden – mehr als die Hälfte der Bundesbürger hat hieran kein Interesse.

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Reinhardt sieht vor allem drei Gründe für die seltene Nutzungsfrequenz von zahlreichen Freizeitaktivitäten: „Erstens zeigen sich auch in der Freizeit zunehmend die Auswirkungen der demografischen Entwicklung in Deutschland – je älter eine Gesellschaft ist, desto mehr überwiegen passive innerhäusliche Aktivitäten gegenüber außerhäuslichen. Zweitens ist das verfügbare Freizeitbudget der Bundesbürger seit Jahren relativ konstant, während die Möglichkeiten dieses auszugeben weiter ansteigen. Insofern ist es oftmals keine Entscheidung gegen eine bestimmte Freizeitbeschäftigung, sondern für eine andere. Und drittens ist – ebenso wie das Freizeitgeldbudget – auch das Freizeitzeitbudget begrenzt. Denn genau wie jeder Euro, kann auch die Zeit nur einmal verbraucht werden. Hiervon sind hauptsächlich zeitintensive Aktivitäten betroffen.“

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