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January 21, 2010

Internorga 2010 – GV Barometer: 63% der Kantinenchefs wollen investieren

(Hamburg, 21. Januar 2010) Das Investitionsklima ist gut: 63 Prozent der Entscheidungsträger in den größeren GV-Betrieben (ab 300 warmen Essen pro Tag) planen in diesem Jahr neue Anschaffungen. 47 Prozent (Vorjahr: 58%) wollen in neue Küchenanlagen, Spülanlagen oder Kassensysteme investieren. 16 Prozent planen Ausgaben für neues Besteck, Geschirr und andere Ausstattungen. Dies ist Ergebnis des „GV Barometer 2010“, der zum neuen Mal in Folge von Synovate im Auftrag der Hamburg Messe anlässlich der Internorga erstellt wurde. 23 Prozent der im vergangenen Jahr geplanten Neuanschaffungen werden storniert; knapp die Hälfte der Projekte sollen in diesem Jahr nachgeholt werden, 15 Prozent erst ab 2011 und bei 30 Prozent steht die Realisierung noch gar nicht fest. Im vergangenen Jahr waren 28 Prozent der Ende 2008 geplanten Neuanschaffungen storniert worden. Der „GV Barometer“ ist neben der Studie „HOTEL UPGRADE 2010“ (von CHD Expert) einer der wichtigsten Gradmesser für das Investitionsklima im Foodservice-Markt.

Investitionsstimmung in GV-Betrieben ist gut: 63 Prozent der Kantinenchefs planen Neuanschaffungen laut „GV Barometer 2010“ (Foto: Cordula Giese/Dehoga)

Investitionsstimmung in GV-Betrieben ist gut: 63 Prozent der Kantinenchefs planen Neuanschaffungen laut „GV Barometer 2010“ (Foto: Cordula Giese/Dehoga)

„Spannende Zeiten“, resümiert Prof. Wolfgang Irrgang, Projektleiter des „GV Barometer“. „So richtigen Pessimismus sollte man sich für schlechtere Zeiten aufheben“, sagte er bei der Vorstellung der Zahlen in Hamburg. „Die Betriebsrestaurants zeigen ganz klar ein prozyklisches Verhalten. Bei vielen ist eine Unsicherheit angesichts der ungewissen Entwicklung des Arbeitsmarktes zu spüren, die sich natürlich auch auf die Investitionsplanungen niederschlägt.“

Hohe Erwartungen an „Green Hospitality“
Erstmals wurden die Küchenchefs nach Bedeutung von Gesundheitsorientierung und Nachhaltigkeit gefragt. Das Ergebnis ist eindeutig: 79 Prozent der GV-Betriebe erwarten hinsichtlich „Health“ eine stärkere Berücksichtigung bei neuen F&B-Produkten, beim Thema  „Öko“ sind dies noch 75 Prozent. Irrgang betonte, dass diese Erwartungshaltung im Kontext der „Corporate Responsibility“ ernst zu nehmen sei. Damit ist klar, dass das Megatrend-Thema „Green Hospitality“ auch in der GV-Branche sehr wichtig geworden ist. Marktbeobachter bemängeln aber die nur schleppende Ausrichtung der Zulieferer auf den anhaltenden „Green“-Trend.

Investitionsbudgets der Betriebsrestaurants sinken weiter
Die Budgets für Neuanschaffungen nehmen weiter ab. 57 Prozent der Ende November 147 befragten Betriebsrestaurants planen größere Anschaffungen, ein Viertel davon mit einem Volumen von mehr als 50.000 Euro. Für 2008 hatten noch 65 Prozent der Kantinen Investitionen vorgesehen, davon 38 Prozent mit einem Volumen von mehr als 50.000 Euro. Auch wächst der Anteil der Betriebe, die nichts ausgeben wollen: 2008 waren es noch 32 Prozent, 2009 noch 35 Prozent und für 2010 ziehen sich immerhin 43 Prozent der Betriebsrestaurants aus dem Investitionsreigen heraus.

Da in der GV-Branche die Planungen eher vage sind, sind die Erwartungen der Betriebsleiter ein wichtiger Indikator. Für dieses Jahr sind 72 Prozent der Chefs davon überzeugt, dass ihre Planungen voll realisiert werden. Im Vorjahr waren dies nur 62 Prozent. Das bedeutet, bei sinkenden Investitionsbudgets nimmt die Bereitschaft zur Umsetzung zu. Ein positives Zeichen.

Betriebsabläufe werden weiter gestrafft – Fachpersonal entlassen
Auch in diesem Jahr werden die sog. Umstrukturierungsmaßnahmen in den Betriebsrestaurants weiter vorangetrieben. Ein Drittel der Küchenchefs wollen Mitarbeiter entlassen. Ebenso viele setzen auf Einsparungen durch Lieferungen von einer eigenen Zentralküche bzw. „Cook & Chill“-Zulieferungen von anderen GV-Betrieben. Der Abbau von professionellen Köchen hält noch in vermindertem Maße an: Sieben Prozent der GV-Küchen will vermehrt mit angelernten (und günstigeren) Arbeitskräften auskommen und setzt auf neue (und zum Teil erheblich verbesserte) Convenience-Produkte der F&B-Zulieferer wie Unilever Professional, Nestlé Professional und Kraft Foods.

Erstmals abgefragt wurde auch die Bedeutung von Sonderaktionen für die Zufriedenheit der Tischgäste. 53 Prozent der Betriebsrestaurants stufen dies als „sehr wichtig“ und 34 Prozent noch als „wichtig“ ein. Die meisten Aktionen beziehen sich entweder auf die Herkunft der Speisen (45%, z.B. „italienische Wochen“) oder auf bestimmte Anlässe (40%, z.B. Fußball-WM 2010). „Aktionen müssen also einen anderen Stellenwert in den Betriebsrestaurants bekommen“, so Irrgang.

Die Internorga findet zum 84. Mal in Hamburg (12. bis 17. März) statt und zeigt sich trotz leicht rückläufiger Fachbesucherzahlen als Garant im Messereigen. Die jährliche Fachschau mit über 1.000 Ausstellern hat sich als eine der bedeutendsten Messen für den Außer-Haus-Markt in Europa (nicht als größte!) etabliert. Neu in diesem Jahr ist eine Fläche für erstmals ausstellende Firmen (insgesamt rund 100). Die „Newcomer’s Area“ soll neue Produkte und innovative Konzepte präsentieren. Zu den Ausstellern gehören Friesland Campina (Milch, Trinkschokolade), projectCOzwei (kompostierbare Verpackungen), Foodoase (Eis für Allergiker), Fresh Connection (Frappé-Getränke) und  Eggcellent (Salomellen- und keimfreie Eier).

Für den „GV Barometer 2010“ wurden Entscheidungsträger in insgesamt 302 GV-Betrieben zwischen dem 1. und 13. November 2009 telefonisch befragt. Das Umsatzvolumen der Gemeinschaftsverpflegung in Deutschland wird auf 15 Milliarden Euro beziffert. Die über 30.000 Betriebsrestaurants servieren pro Wochen rund 30 Millionen Mahlzeiten, die mehr als 16.000 Klinken, Heime und Reha-Einrichtungen geben täglich 1,2 Millionen Essen aus.

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