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July 4, 2012

Betrug aus China: Erfahrungsbericht einer Videoproduktionsfirma

(München, 04. Juli 2012) Das Unternehmen namens TravelSensations, eine Videoproduktionsfirma aus München mit Schwerpunkt auf Tourismus, wird von einer Scheinfirma zur Vertragsunterschrift nach China eingeladen und wendet sich nun an die Öffentlichkeit, um andere Firmen zu warnen. Der Firmenbetrug aus China ist bestens inszeniert, bis ins Detail durchdacht und betrifft immer mehr Firmen in Deutschland und Österreich. Die Wirtschaftskammer Österreich (WKO) berichtet in einer Veröffentlichung vom 19.6.2012: „In letzter Zeit werden vermehrt österreichische Unternehmen von so genannten „Scheinfirmen” aus China kontaktiert, wobei es auch immer wieder zu konkreten Schadensfällen kommt.” Auch deutsche Firmen sind betroffen und die IHK schreibt, dass es zunehmend schwieriger wird „eine solche kriminelle Absicht im Vorfeld zu erkennen.”

TravelSensations (TS) betrifft es persönlich und wendet sich nun an die Öffentlichkeit, um andere Firmen zu warnen.

Es begann mit einer E-Mail, in der die Scheinfirma „Henan Wanhua Investment Co. Ltd” (HWI) vorgibt Interesse an einer umfangreichen Videoproduktion in Deutschland zu haben. Es werden detaillierte Vorgaben zum Inhalt der Videoproduktion gemacht und man einigt sich auf die Zahlung von 2300 US$ pro Minute, also einem Auftragswert von 1,15 Mio. US Dollar. Es wird ebenfalls angegeben 70% im Voraus zu zahlen. TS wird zur Vertragsunterzeichnung nach China eingeladen und mit Hilfe einer offiziellen Einladung wird ein Geschäftsvisum beantragt.

Thomas R. reist nach Zhengzhou und wird freundlich empfangen. Weitere Details werden vor Ort besprochen, jedoch fällt Thomas R. auf, dass Videos auf der Webseite travelsensations.de in China nicht sichtbar sind, da Youtube in China blockiert wird, was Thomas R. skeptisch stimmt. Die Vertragsunterzeichnung findet am folgenden Tag im Bürogebäude von HWI statt. Daraufhin wird Thomas R. gefragt teure Geschenke für den CEO zu kaufen. Thomas R. lehnt dies jedoch ab. Dennoch wird er zum Geschäftsessen eingeladen um die Vertragsunterzeichnung zu feiern, wobei er animiert wird Bier in größeren Mengen zu trinken. Nun fragt die chinesische Scheinfirma anfallende Notarisierungskosten in Höhe von 4800 US Dollar zu zahlen. Thomas R. geht auf Nummer sicher und bietet an diese Summe erst nach der 1. Vorauszahlung zu begleichen. Auch dies wird akzeptiert und er wird zurück zum Flughafen gebracht.

Nach der Rückkehr nach Deutschland zweifelt Thomas R. ernsthaft an der Seriosität der Firma und findet HWI jetzt in einer Liste von Scheinfirmen auf der Webseite des WKO vom 19.06.2012. HWI schickt nun auf Anfrage sogar eine offizielle Firmenregistrierung und meldet an, dass am 10. Juli ein Regisseur nach Deutschland reisen wird und schickt sogar eine Kopie des Reisepasses. Weitere Recherchen ergeben, dass laut chinesischen Blogs eine Reihe von chinesischen Privatpersonen und Unternehmen von der Firma um Geld gebracht wurden. HWI ist also bis heute in Kontakt mit deutschen und österreischichen Firmen und wird am 10. Juli einen Repräsentanten nach Deutschland schicken um weitere Gelder zu kassieren.

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