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September 29, 2015

Schwere Sicherheitsmängel im neuen Riu Plaza Hotel Berlin

Riu Plaza Berlin - Fassade

Berlin – Sicherheit ist offenbar nicht so wichtig: Im neu eröffnete Riu Plaza Hotel in Berlin ist das Zutrittskonzept alles andere als ausgereift. Im Adhoc-Test gelingt der unkontrollierte Zugang bis in die obersten Etagen des 18 Stockwerke hohen Hotelturms. Auch zu wichtigen Technikräumen gelangt man problemlos.

Testbericht von Chefredakteur Carsten Hennig

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Am Spätnachmittag checken etliche Gäste ein. Ohne aufgehalten zu werden, gelange ich per Aufzug bis zum 15. Stock; ein Steuerungssystem mit Zimmerkarten existiert nicht. Offenbar werden die Gänge elektronisch überwacht, nur dies scheint nichts auszulösen. In aller Seelenruhe könnte ich mich an Türen zu Gästezimmern zu schaffen machen. Im Treppenhaus stoße ich auf etliche ungesicherte Elektrokabel und zahlreiche Spuren von Rauchern; zum Glück springen hier nicht die Sprenkleranlagen an …
Unbegreiflich: Dach- und Technikräume sind unverschlossen. Durch einen Schlitz in der Fassade gelingt der Blick auf das umliegende Botschaftsviertel am Tiergarten – ein ideales Versteck für Scharfschützen. Eklatant: Ein wichtiger Technikraum ist unverschlossen – Manipulationen an der Klimaanlage sind so möglich.
Der Panoramablick über die Hauptstadt täuscht nicht darüber hinweg: Im ersten Haus der TUI-Hotelmarke ist noch einiges nachzubessern.


Der aus aus zahlreichen TV-Dokumentationen bekannte Hotelsicherheits-Experte Ulrich Jander weist seit vielen Jahren auf die Sicherheitslücken in großen Hotels hin. Die Terrorgefahr sei weiterhin hoch, so sein Credo. Hotels und Restaurants geraten zunehmend ins Visier von Terroristen, sie gelten seit Jahren als sog. weiche Ziele. Nun soll eine Ratgeber-Broschüre auf die schlimmsten Fälle vorbereiten. Die 70-seitige Unterlage aus Großbritannien liegt der Redaktion von hottelling vor.


Broschüre “Counter Terrorism Protective Security Advice for Hotels and Restaurants – Provided by National Counter Terrorism Security Office” zum PDF-Download:
https://de.scribd.com/doc/255526830/Terrorgefahr-fur-Hotels-steigt-Neue-Ratgeber-Broschure-aus-Gro%C3%9Fbritannien-soll-auf-schlimmste-Falle-vorbereiten


Jander weist auch auf die erheblichen Gefahren durch mögliche Anschläge per Post hin. So sollten z.B. unklar oder undeutlich beschrifteten Päckchen und Pakete als verdächtig erkannt werden. Sind z.B. verdächtige kleine Löcher in Briefumschlägen zu sehen oder falle ein Marzipan-ähnlicher Geruch auf, so könne es sich um gefährliche chemische Substanzen – oder auch radioaktive Inhalte – handeln. Solche Poststücke seien sofort zu isolieren, davon Abstand einzunehmen und die Polizei zu verständigen. “Die Gefahr für namhafte Hotels, die internationale Staatsgäste beherbergen oder auch Tagungen mit bedeutsamen Wirtschaftsführern ausrichten, bleibt unverändert hoch”, so Jander.

Daimler macht es nun vor: Alle drei Monate werden alle 280.000 Mitarbeiter im Rahmen der Terrorbekämpfung durchleuchtet. Wer auf einer der Sanktionslisten der Europäischen Union und der USA stehe, müsse gehen. Konkrete Bedrohungslagen bestehen nicht nur für große Industrieunternehmen, auch Hotels sind betroffen.

Salafisten könnten in Hotels von innen heraus zuschlagen. Islamwissenschaftler warnen vor dem wachsenden Salafismus in Deutschland: Man muss jederzeit mit Gewalt rechnen. Szenarien sind Anschläge mit versteckten Bomben oder Gift im Essen, warnt Jander. Nur wenige Hotels schützen sich davor. Wie man Bomben-Attrappen leicht in Hotels einschmuggeln und z.B. in Feuerlöschern verstecken kann, zeigt ein Lehrfilm bei HOTELIER TV:

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