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August 2, 2012

Golfplätze lassen Umweltschutz links liegen – Weltweit verschärfter Kulturlandverlust durch Monokulturen

(Wien/Basel, 02. August 2012) Auch wenn Golf als Breitensport immer mehr Anhänger gewinnt, sind Golfplätze per se eine ökologische Katastrophe. “Der Golfsport trägt wie das Siedlungswachstum zum Verlust der Kulturlandfläche bei”, kommt Raimund Rodewald von der Stiftung Landschaftssschutz Schweiz in einer aktuellen Studie wieder zum Schluss. Dies berichtet die Nachrichtenagentur Pressetext.

Dass Golfplätze den Kulturlandverlust verschärfen, davon weiß auch Christine Plüss vom Arbeitskreis Tourismus & Entwicklung zu berichten. Die Expertin erklärt im pressetext-Gespräch warum Golfplätze alles andere als nachhaltig sind. Ganz massive Folgen für die Bevölkerung haben diese Sportanlagen in ärmeren Ländern des Südens.

Golfplätze sind Umweltschützer nicht immer willkommen (Foto: Hotel Budersand Sylt)

Golfplätze sind Umweltschützer nicht immer willkommen (Foto: Hotel Budersand Sylt)

Einheimische werden vertrieben
In Vietnam hat die Verbreitung von Golfplätzen zur Vertreibung von tausenden von Bauernfamilien geführt und die Reisfelder vernichtet, von denen die Ernährung des Landes abhängt. “Diese Geschichte haben wir 2010 recherchiert”, schildert Plüss. “Noch vor 35 Jahren standen den Golfbegeisterten in Vietnam nur zwei Golfplätze zur Verfügung. Seither hat die Branche gewaltig zugelegt, denn bis Ende 2008 wurde durchschnittlich ein neuer Golfplatz pro Woche bewilligt.”

“Das Argument, dass die ausländischen Investoren geltend machen, ist, dass Golfplätze helfen würden, Vietnam zu einer Tourismusdestination zu machen”, so Plüss. Die meisten Besucher werden aus anderen asiatischen Ländern erwartet – insbesondere aus Südkorea und Japan, wo die Golfplätze überlaufen sind.

Andere Länder – gleiche Probleme
Das Beispiel Vietnam ist aber nur eines von vielen, bestätigt Plüss. Ähnliche Fälle sind auch aus Thailand bekannt, wo Golfplätze häufig in den ertragreichsten Landwirtschaftsregionen errichtet wurden. “Nicht nur, dass dort wertvolles Farmland oder noch schlimmer artenreiche Wälder vernichtet wurden, Golfplätze brauchen riesige Mengen an Wasser und Pestizide, die wiederum Luft, Boden und Wasser verunreinigen.”

Ähnliche Berichte sind auch aus China und Kuba bekannt, erklärt die Expertin. Sie führt als Beispiel gerne den Trivandrum Golfplatz an, der vor rund 160 Jahren in Travancore im indischen Bundesstaat Kerala angelegt wurde. Das Freizeitvergnügen für die Reichen und Diplomaten verbrauche täglich hunderttausende Liter Wasser, genug für 5.000 Familien.

Vor einigen Jahren konnte der Platzbetreiber den Erhalt des Golfkurses nicht mehr tragen und versuchte die Kosten auf die Gemeinschaft zu übertragen. So könnte die Elite sich weiterhin im Grünen erholen und die Rechnung von der öffentlichen Hand bezahlen lassen – von der Bevölkerung also, die unter akutem Wassermangel leidet.

Grüne Oasen – Trügerische Idylle
“Golfanlagen verschlingen enorme Landabschnitte, zerstören Wälder sowie Küsten- und Meeresregionen, und vernichten die unschätzbare Biodiversität”, kritisieren die Golfplatz-Gegner. Für qualitativ gute Golfplätze brauche es importiertes Gras, Dünger und eine breite Palette von Chemikalien wie Färbemittel, Bodenhärter und Koagulantien. Dazu komme das jährliche Besprühen mit Tonnen von Insektiziden, Herbiziden und Fungiziden, die alle zur Verschmutzung und Verarmung der lokalen Umgebung beitragen.”

Auch in der Schweiz hat das Thema “Golfplatz-Errichtung” einen aktuellen Anlassfall bekommen, wie der Tagesanzeiger berichtet. Konkret geht es um den Bau eines 18-Loch-Platzes in den Kantonen Zug und Zürich. Da geht es um eine Investitionssumme von 16 Mio. Franken (13,3 Mio. Euro) und eine Fläche von 72 Hektar.

Auf rund 20 Hektar Land wird Boden abgetragen oder umgeschichtet, um die Landschaft zu modulieren. Dazu müssen 120.000 Kubikmeter Erde vorschoben werden. Diskutiert wird auch über den Wert der ökologischen Ausgleichsmaßnahmen. “Über die weitere Vorgehensweise wird abgestimmt”, zitiert Plüss und räumt dazu ein, dass das in vielen anderen Ländern leider nicht der Fall ist. “Da wird über die Köpfe der Betroffenen hinweg entschieden.”

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