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April 14, 2014

Die nächste industrielle Revolution: Airbnb ist das neue Booking – Unternehmenswert höher als bei US-Hotelketten – Große Gefahr oder neue Chancen für Hotels ?

(San Francisco/USA, 14. April 2014) Airbnb ist längst eine große Gefahr für die traditionelle Hotellerie: Das US-Portal für Privatzimmer-Vermietung steht weltweit für die nächste industrielle Revolution. Immer schneller wachsend – Jahresumsatz zuletzt geschätzt 250 Millionen US-Dollar – bietet Airbnb mehr als 600.000 Übernachtungsmöglichkeiten in 192 Ländern und soll Medienberichten zufolge bereits jetzt – vor einem erwarteten Börsengang – einen Unternehmenswert von etwa zehn Milliarden US-Dollar darstellen. Zum Vergleich: Die börsennotierte Hotelkette Hyatt hat einen Marktwert von 8,4 Milliarden US-Dollar. Allein in New York City habe Airbnb der Hotellerie im vergangenen Jahre rund eine Million Übernachtungen weggeschnappt. Nach eigenen Angaben haben die angeschlossenen Zimmer- und Apartmentvermieter im Big Apple für 632 Millionen US-Dollar Umsatz gesorgt und damit 4.500 Arbeitsplätze gesichert.

airbnb.de - Berlin

Wieso schafft man nicht ein “virtuelles Hotel”, Apartments zu freien Vermietung im einem lokal eingegrenztem Umkreis, mit Reinigungsservice und ggf. Food-Lieferdienst?

Auch in Deutschland ist Airbnb auf dem Vormarsch. Zwar versucht man in Städten wie Berlin, München und Hamburg mit neuen Verordnungen, die gewerbliche Nutzung privater Wohnungen zu erschweren. Doch das Vermiet-System brigt auch Chancen für Hoteliers. Wieso schafft man nicht ein “virtuelles Hotel”, Apartments zu freien Vermietung im einem lokal eingegrenztem Umkreis, mit Reinigungsservice und ggf. Food-Lieferdienst? “Wir sind nur ein Problem für die Hotelbranche, wenn sie nicht bereits ist, sich zu verändern”, sagte Airbnb-Gründer Brian Chesky. “Die Mentalität im Silicon Valley ist: Damit ich gewinne, musst Du nicht verlieren.”

“Hotels, die viel Werbebudget in ihre Internetauftritte pumpen müssen, um Direktbuchungen – meist zu günstigeren Raten als in Buchungsportalen – zu fördern, haben gerade Gelddruck-Maschinen wie Airbnb kaum Aussichten auf Erfolg.”

Der weltweite Erfolg von Airbnb – und Nachahmer-Portalen wie 9flats.com – zeigt, das traditionelle Geschäftsmodelle schnell überholt sein können. Preisvergleichs-Portale verdeutlichen dies täglich: “Die Preisroboter, die uns das billigste Hotelzimmer anzeigen, führen zu einem Preisverfall, der uns teuer zu stehen kommt”, meinte der IT-Unternehmer und Internet-Vordenker Jaron Lanier. Hotels, die viel Werbebudget in ihre Internetauftritte pumpen müssen, um Direktbuchungen – meist zu günstigeren Raten als in Buchungsportalen – zu fördern, haben gegen Gelddruck-Maschinen wie Airbnb kaum Aussichten auf Erfolg.

Die Tauschwirtschaft, “Shareconomy” genannt, birgt gewaltige Chancen: Längst sehen sich Hotelgäste Filme und Lieblingsserien von Streaming-Diensten auf ihren Tablets und Laptops an. Kostenpflichtige Hotel-TV-Systeme werden zunehmend uninteressant. Bei Musik ist das schon längst so: Im Hotelzimmer muss nur eine Docking-Station vorhanden sein. Über das Smartphone hört man heute seine bevorzugte Musik abenso im Abo bei Streaming-Diensten. Wichtiger denn je wird ein Hotel-Wlan, idealerweise im Zimmerpreis inbegriffen. Das birgt eine neue Geschäftsidee: Ein Upgrade der Download-Bandbreite im Hotel-Wlan kostet eine Pauschale.

“Airbnb macht sein Geld mit Immobilien, aber innen drin funktioniert das Unternehmen genauso wie Google oder Microsoft”, sagte Marc Andressen, der das Unternehmen mitfinanziert hat, nun dem “Spiegel”. Der Siegeszug von Airbnb scheint unaufhaltsam: Allein in Großbritannien schufen die Airbnb-Partner im vergangenen Jahr einen Umsatz von mehr als 820 Millionen US-Dollar und sicherten so über 11.000 Jobs. Der Airbnb-Umsatz in Barcelona lag zuletzt bei 175 Millionen US-Dollar im Jahr. Für Deutschland sind noch keine Zahlen verfügbar.

Welche Zukunft Airbnb hat, verdeutlicht eine Personalmeldung, die Aufsehen erregte: Chip Conley, Gründer der renommierten Hotelgesellschaft Joie de Vivre Hospitality, wechselte im vergangenen Herbst zu Airbnb als “Head of Global Hospitality”. Er sorgt nun für Schulungen und Qualitätsorientierung bei Airbnb-Vermietern, mit einem Trainingszentrum in Dublin. Hundert neue Jobs werden dort nun geschaffen, bis Jahresende sollen 200 Experten im Service- und Hospitality-Hub in der irischen Hauptstadt für Airbnb arbeiten.

Fazit: If you can’t beat them, join them – so lautet ein weiser Schluss, der sich angesichts der immensen Möglichkeiten von Airbnb aufdrängt. Hoteliers sollten zweigleisig fahren und – gewerblich einwandfrei – Serviced Apartments bei dem Vermieterportal anbieten und mitverdienen. Auch in diesem Geschäft wird sich professionelles Arbeiten – kompromisslose Sauberkeit und Hygiene sowie smarte Serviceleistungen – auszahlen.

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