Immer mehr Fachkräfte fehlen: Mit Qualifizierung und Weiterbildung auf Digitalisierung vorbereiten – Mehr Vereinbarkeit von Beruf und Familie schaffen – Mehr und bessere Kommunikation – Komplizierte Titel und hemmende Hierarchien abschaffen

Hamburg/Berlin, 31. August 2017 – Der klassische Fall: Die Mitarbeiter sind weit überwiegend zufrieden, doch das mittlere Management (Abteilungsleiter) gibt die wichtigen Informationen des Hoteldirektor nicht oder nur teilweise weiter. Was wie ein Lehrstück aus dem Schulbuch anmutet, ist noch immer Alltag auch in bestens beurteilten Betrieben. Ein klarer Fall für neue Kommunikation, am besten ohne Hemmungen durch Hierarchien. Für die künftige Teamführung und Mitarbeitermotivation muss in Zeiten prekärer Personalsituation signifikant neu gedacht werden.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Immer wichtiger zu Mitarbeitergewinnung und -bindung!

Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Immer wichtiger zu Mitarbeitergewinnung und -bindung!

Ein radikaler Ansatz – mehr zum Wachrütteln als zur sofortiger Umsetzung gedacht – ist: Komplizierte Titel und hemmende Hierarchien abschaffen. Solange ein gerade ausgelernter Commis de rang einem gewitzten Auszubildenden im dritten Lehrjahr die zündende Verbesserungsidee qua Amt auszureden versucht, stehen streng sortierte Befehlsränge auf dem Prüfstand. Die militärische Teamordnung hat zwar Tradition, doch in Zeiten von angelernten Quereinsteigern und Wiedereinsteigern wie Müttern muss man die Teammitglieder eher wie Spezialeinsatzkräfte ohne Ansehen von Rang, einzig zur Bewertung ihrer Leistung- und Kommunikationsfähigkeit, ansehen. Wenn ein 23-Jähriger Neuling (Gefreiter) einem 25-jährigen stellvertretenden Abteilungsleiter (Jungoffizier) in kniffligen Situationen auf die Sprünge helfen kann, entspricht dies dem Zeitgeist.

Was nun zugegeben eine anregend-provozierende Theorie ist, wird allerdings bei ersten Hotelbetrieben wie bei Prizeotel so oder so ähnlich eingesetzt; in Budgethotels sei dies sicherlich leichter als in Full-Service-Hotels. Jedoch: Teamführung und Mitarbeitermotivation darf künftig nicht mehr an Verhinderungsstrategien von zu schnell beförderten Bremser-Charakteren scheitern.

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Angesichts von Existenznöten im Gastgewerbe und den weiter sinkenden Fachkräften-Zahlen – eine aktuelle Prognose geht von 3,3 Millionen fehlenden Fachkräften in Deutschland im Jahr 2040 aus – wird schnell klar: Pfiffiges HR-Marketing allein löst die Problematik kaum. Das Think-Tank-Institut Prognos regt dazu an, wie man kurzfristig zusätzliche, qualifizierte Arbeitskräfte mobilisieren könne. „Dies umfasst die internationale Rekrutierung von Arbeitskräften ebenso wie eine längere Arbeitszeit von Älteren. Junge und alte Arbeitskräfte müssen mit Qualifizierungen und Weiterbildung auf die Veränderungen der Digitalisierung vorbereitet werden“, heißt es in einer Studie.

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Und weiter: „Das gleichzeitig schnellste und zahlenmäßig auch mittelfristig ertragreichste Mittel gegen die Fachkräftelücke ist jedoch die Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie: Es sind Rahmenbedingungen zu schaffen, sodass insbesondere Mütter ihrem Wunsch nach Erwerbstätigkeit verwirklichen können. Dabei sind Staat und Wirtschaft gemeinsam gefordert: Die Kinderbetreuungsangebote müssen ausgebaut werden, die Betreuungszeiten ausgedehnt und flexibilisiert werden. Besonderer Ausbaubedarf besteht bei Ganztagsangeboten für Grundschulkinder.“ Prognos-Chef Christian Böllhoff konstatiert: Die Wirtschaft – und gerade auch kleine und mittelständische Unternehmen – sollte sich auf neue Wege bei Arbeitsmodellen begeben und viel stärker als bisher auf vollzeitnahe Tätigkeiten, mitunter auch in Kombination mit Homeoffice, setzen. Die Wirtschaft müsse Mütter als vollwertige Arbeitskräfte betrachten. Die Arbeitswünsche von Müttern, die häufig eine höhere Stundenzahl arbeiten wollen, müssen mehr berücksichtigt werden. Dies erfordere ein Umdenken in der Personalplanung und bei der Führung.

Das Masterthema Employer Branding und HR-Strategien wird die Hotellerie und Gastronomie auch in den nächsten Jahren beherrschen. Beim HR-Camp der HSMA vom 21. bis 23. September in Köln sind dazu weitere Denkansätze zu erwarten.

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