Gelebte Werte vor der großen Strategie – Employer Branding ist DAS Code-Wort

Gastbeitrag von Christin Gerdes/Personalabteilung der Johannesbad Hotels Bad Füssing

Christin GerdesBad Füssing, 30. März 2017 – Von überall her tönt es: Zu wenig Personal – alles Folgen von dem schlechten Image der Branche, die berühmte schlechte Bezahlung, unflexible Arbeitszeiten und dem daraus resultierenden Fachkräftemangel!

Da muss doch eine neue Strategie her: Employer Branding ist DAS Code-Wort, welches alle Probleme löst. Es wird ein Marketingplan verfasst, Maßnahmen besprochen: wie akquirieren, motivieren und halten wir am besten Mitarbeiter.

Während wir noch reden und planen und strategisch aktiv sind, läuft das daily business weiter.

Während wir noch darüber nachdenken, wie der neue Mitarbeiter von morgen aussieht, kämpft sich die Operative weiter durch.

Und während wir noch verzweifeln und potenziellen neuen Mitarbeitern mit falschen Versprechungen locken, guckt uns der Mitarbeiter fragend an…

Pluspunkt im Employer Branding: Betriebliche Krankenversicherungen sind für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Gastronomie auch steuerlich attraktiv, sagen die Branchenexperten von ETL Adhoga

Employer Branding ist eine super Sache, jedoch sollten wir uns als Arbeitgeber vor lauter Strategie nicht in theoretischen Details verlieren, sondern auf die wichtigen Dinge in der Praxis konzentrieren. Als Arbeitgeber legen wir uns selber Werte auf, denen wir uns als Führungskräfte verpflichten. Wir fungieren als Vorbild für unsere Mitarbeiter. Diese Verantwortung müssen wir uns stärker vergegenwärtigen!

Unserer Einschätzung nach herrscht ein Fachkräftemangel da, wo wir uns nicht aktiv um unsere Mitarbeiter kümmern. Denn das wichtigste Werkzeug, welches uns als Unternehmen attraktiv auch nach außen präsentiert, ist unser Mitarbeiter der in unserem Unternehmen zufrieden und glücklich ist. Welcher Wertschätzung und Geborgenheit erfährt. Der nicht als Zahl sondern als Mensch wahrgenommen und behandelt wird.

Die Frage die wir uns als Arbeitgeber stellen sollten, ist die Frage nach den Bedürfnissen unserer Mitarbeiter im Einklang mit unserem Unternehmen.

Das bedeutet im Umkehrschluss: Interesse an jedem einzelnen Mitarbeiter äußern und diese aktiv zeigen. Dazu braucht es nicht immer eine Gehaltserhöhung. Es fängt bei einem herzlichen Guten Morgen an und hört … gar nicht auf!

Heutzutage ist der Arbeitgeber nicht nur allein derjenige, der die Grund- und Sicherheitsbedürfnisse deckt. Auch das Verlangen nach sozialer Bestätigung, Wertschätzung und Anerkennung wird von uns als Arbeitgeber eingefordert. Zu Recht, denn seien wir ehrlich, jeder von uns verlangt von seinen Mitarbeitern Empathie, Gastgebermentalität und Charme. Wer diese Tugenden nicht in sich trägt, wird auch unser Hotel nicht gemäß den auferlegten Werten präsentieren.

Aber wieso glauben immer noch so viele von uns als Arbeitgeber, dass diese Tugenden bei dem Gast aufhören? Wir leben davon, dass sich unsere Gäste bei uns wohl fühlen. Glauben wir immer noch, dass ein Gast es nicht merkt, wenn unsere Mitarbeiter unzufrieden sind?

Und nebenbei gesagt wissen wir alle, ein Team welches von innen heraus funktioniert, ist zu allem fähig!

Das wirtschaftliche Ergebnis kommt von ganz allein, wenn wir uns als Arbeitgeber um unsere Mitarbeiter bemühen, diese ihre Zufriedenheit nach außen tragen und sich der Gast wohlfühlt.

Diese Anerkennung gegenüber unseren Mitarbeitern zeigt sich im Detail:

  • Regelmäßige Gespräche, in denen es auch genug Zeit gibt, um nach dem Befinden und den Bedürfnissen eines jeden Einzelnen zu fragen
  • Respekt zeigen, Interesse bekunden und Entscheidungen gemeinsam besprechen
  • Unterstützung bei der Wohnungssuche, Zuschuss bei den Kosten für die Arbeitswege und Bereitstellung von (Elektro-) Fahrrädern
  • Urlaubsgeld in der Landeswährung
  • Persönliche Aufmerksamkeiten wie bspw. eine persönliche Geburtstagskarte, ein gebrandeter Strampler zur Schwangerschaft oder eine kleine Auszeichnung für gute Leistungen
  • Vertrauen schenken, ohne vorab Leistung einzufordern

Alles sofort umsetzbare und nahezu kostenlose Möglichkeiten, seine Wertschätzung gegenüber seinem Team zu zeigen!

Also: Employer Branding auf jeden Fall, aber bitte in der Realität und im Hier und Jetzt LEBEN!

Comments

  1. Liebe Frau Gerdes,

    toll! Das ist genau die Haltung, die auch ich Führungskräften bzw. Unternehmensmanagern empfehlen würde. Nur so und nicht anders kann es gelingen, eine entsprechende Kultur im eigenen Unternehmen zu schaffen, die nicht nur auf bestehende Mitarbeiter anziehend wirkt, sondern sicher auch auf neue.

    Als ganz zentral empfand ich Ihren Satz „Vertrauen schenken, ohne vorab Leistung einzufordern“. Zumeist sorgt dieser Gedanke in Führungsetagen für ordentliches Schlottern und einen kalten Rückenschauer. Aber es ist dieses menschenzentrierte und offene Mindset, dass am Ende zum Erfolg führt. Gute Unternehmen sind zwischenmenschlich. Das gilt zwischen Unternehmen und Kunden genauso wie es auch zwischen Unternehmen und Mitarbeitern gelten muss.

    Ich würde mir wünschen, dass mehr Führungskräfte Ihre Haltung entwickeln. Die entsprechenden Unternehmen werden mit Ohren schlackern, welch positive Veränderung sich dadurch auch im Unternehmensergebnis erwirken lässt.

    Liebe Grüße
    Martin Wilbers

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