Ausblick auf 2017: Deutschland zwischen Angst und Zuversicht

Hamburg, 27. Dezember 2016 – Was erwarten die Bürger für 2017 und mit welchen Vorstellungen blicken sie auf das Jahr 2030? Diesen Fragestellungen hat sich die BAT-Stiftung für Zukunftsfragen in ihrer neuesten Untersuchung gewidmet. Repräsentativ wurden hierfür – in zwei getrennten Befragungswellen – insgesamt über 4.000 Bundesbürger ab 14 Jahren in persönlichen Interviews befragt.

Als Kernergebnisse lassen sich drei wesentliche Punkte festhalten:

  1. Die Ängste und Sorgen für 2017 sind fast immer größer als die für das Jahr 2030. Ausnahmen sind hierbei die Bereiche Sicherheit und Altersarmut.
  2. Jüngere Bundesbürger blicken insgesamt optimistischer in die Zukunft als die älteren Generationen.
  3. Im Jahresvergleich zu 2008 äußern sich die Befragten in puncto Zusammenleben und Integration zuversichtlicher. In den Bereichen Terror, Altersarmut und Abschottung sind die Ängste dagegen größer geworden.

stiftung-fuer-zukunftsfragen_2016_forschung-aktuell-271_terror-und-zusammenhalt

Themenblock Integration und Europa
Lediglich 16 Prozent der Bundesbürger gehen davon aus, dass die Integration von Ausländern und Flüchtlingen 2017 einfacher wird. Für das Jahr 2030 erwarten dagegen fast doppelt so viele Bürger (30%) eine Verbesserung der Situation – allen voran die unter 29-Jährigen (34%). Im Vergleich zur Befragung aus dem Jahr 2008 erhöhte sich die Zustimmung bei dieser Frage deutlich (2008: 20%).

Aktuell ist lediglich jeder vierte Bundesbürger (26%) der Meinung, der Islam gehöre zu Deutschland. In knapp 15 Jahren aber sehen zwei von fünf Deutschen (40%) diesen Punkt als selbstverständlich an.

Um gemeinsame Herausforderungen wie den Klimawandel, die Flüchtlingskrise oder die Spaltung der Gesellschaft zu bewältigen, wird Europa weiter zusammenrücken – das erwarten sowohl für 2017 als auch für 2030 rund zwei von fünf Bürgern (41% bzw. 42%). Besonders die Generation 55+ zeigt sich jedoch skeptisch (35%), während die unter 29-Jährigen bei dieser Frage fast zur Hälfte (47%) zustimmend antworten.

Dass Europa 2017 seine Grenzen für Nichteuropäer geschlossen hält, um so der Angst der Bevölkerung vor zu vielen Flüchtlingen entgegenzuwirken, erwartet knapp die Hälfte der Befragten (47%). Bis 2030 ist hierbei von keiner wesentlichen Veränderung auszugehen (2030: 52% Zustimmung), wobei sich im Vergleich zur Vergangenheit dieser Wert verdreifacht hat (2008: 16%).

„Das Thema Flüchtlinge wird Deutschland und Europa in den kommenden Jahren beschäftigen und prägen. Die Politik ist hierbei gefordert, Antworten auf die Sorgen der Bevölkerung zu finden. Gefordert sind aber auch die Bürger, durch Offenheit, Toleranz und Verantwortung dazu beizutragen, die Integration erfolgreich zu gestalten“, so der Wissenschaftliche Leiter der BAT-Stiftung Professor Dr. Ulrich Reinhardt.

Themenblock Ängste und Sorgen
Die Kluft zwischen Arm und Reich wird sich aus Sicht der Bevölkerung 2017 nicht verkleinern. Lediglich acht Prozent erwarten diesbezüglich eine Verbesserung. Besonders skeptisch zeigen sich hierbei die Besserverdienenden (4%) sowie die Jungsenioren (5%). Bei den unter 29-Jährigen äußern sich immerhin 14 Prozent optimistisch. Ähnlich wie 2008 erwartet auch gegenwärtig nur etwa jeder neunte Bundesbürger (11%) eine Veränderung bis zum Jahr 2030.

Terroranschläge in Deutschland halten 2017 mehr als drei von vier Bundesbürgern (76%) für wahrscheinlich. Und auch perspektivisch glauben fast ebenso viele (74%) nicht daran, dass beispielsweise dank umfassender Überwachung diese Gefahr bis 2030 sinkt. Im Gegensatz zur Befragung von 2008 stieg diese Sorge damit sehr deutlich an (44%). Innerhalb der Bevölkerung zeigen sich die Ostdeutschen (85%) und älteren Bundesbürger (79%) deutlich pessimistischer als die unter 29-Jährigen (66%).

In etwa die Hälfte der Bundesbürger (52%) sorgt sich aktuell um die Höhe ihrer Rente. Hierbei äußert sich die aktuelle Rentnergeneration überdurchschnittlich positiv und sorgt sich weniger um Altersarmut als die Jüngeren. Für 2030 erwarten jedoch fast alle Bundesbürger (85%), dass dies ein ungelöstes Problem sein wird. Im Vergleich zu 2008 erhöhte sich der Wert damit noch einmal um neun Prozentpunkte (2008: 76%).

„Altersarmut und die zunehmende Spaltung der Gesellschaft sind ungelöste Probleme der Gegenwart. Wirtschaftlich betrachtet wäre eine gerechtere Vermögens- und Einkommensverteilung sinnvoll, um so dauerhaft die Kaufkraft der Bevölkerung und hierdurch wiederum Arbeitsplätze zu erhalten. Aber auch zur Sicherung des sozialen Friedens sollte die Konzentration von Kapital auf eine kleinere Bevölkerungsgruppe überdacht werden“, so Reinhardt.

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Themenblock Zusammenleben und Prioritäten im Leben
Zwei von fünf Befragten (39%) halten es für realistisch, dass die Menschen in Deutschland 2017 wieder enger zusammenrücken werden. Bis 2030 erwarten dieses sogar 44 Prozent der Bundesbürger. Hierbei ist es nicht die jüngere, sondern die mittlere Generation (vor allem Singles), die solch eine Entwicklung für durchaus wahrscheinlich erachtet.

Ebenso erwarten auch drei von fünf Deutschen (60%), dass die Bedeutung der Nachbarschaft zunimmt – weil die Menschen zunehmend aufeinander angewiesen seien. Bis 2030 ist dann erneut eine leichte Steigerung auf 63% zu erwarten, wobei auch hier die mittlere Generation überdurchschnittlich oft zustimmt (67%).

Luxus im Jahre 2017 definieren zwei von drei Bundesbürgern (60%) nicht über teure Konsumgüter oder Statussymbole, sondern stattdessen über Zeit und Ruhe. Im Gegensatz zu 2008, als nur jeder Dritte (34%) diese Entwicklung bis 2030 erwartete, sind es gegenwärtig 61 Prozent, die dieses für wahrscheinlich erachten. Innerhalb der Bevölkerung gilt dies besonders für Besserverdienende (Nettoeinkommen über 2.500 Euro: 76%).

Für neun von zehn Bundesbürgern (90%) bleibt auch 2017 die Familie das wichtigste im Leben. Allen voran sind es die Familien selbst, die fast vollständig (99%) dieser Aussage zustimmen. An diesem Stellenwert wird sich auch bis zum Jahr 2030 nichts verändert haben (91%).

Fazit
Gesamtfazit des Wissenschaftlichen Leiters: „Terroranschläge vor der eigenen Haustür, eine zunehmende Spaltung der Gesellschaft oder ungelöste Flüchtlingsfragen – all dieses hat Spuren bei den Bürgern hinterlassen und zu gefühlter Orientierungslosigkeit, Ohnmachtsgefühl und Überforderung geführt. Hoffnungsvoll ist zweifellos, dass einzelne Bevölkerungsgruppen langfristig an eine bessere Zukunft glauben und auch durchaus gewillt sind, ihren Teil hierfür zu leisten. Gerade im persönlichen Umfeld sind die Bürger bereit, Verantwortung zu übernehmen und mitzuhelfen, die Zukunft erfolgreich zu gestalten. Zudem sollte nie vergessen werden, dass die Angst ebenso menschlich ist wie der Mut, diese zu besiegen.“

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