Designunfall oder ultracool: Neues Westin Hotel in der Elbphilharmonie in Hamburg besticht durch ein imposantes Gebäude, die Lage in der Hafencity und Panorama-Ausblick über den Hafen – Aber beim Ambiente fehlt der Wohlfühl-Faktor

Hamburg, 30. November 2016 – Weithin sichtbar und der größte Werbeträger für Hamburg: Die Elbphilharmonie macht die Hansestadt (endlich) international bekannter. Und auch das Westin Hotel darin, mit 205 Zimmern und 39 Suiten, ist ein neuer Anziehungspunkt für Gäste aus dem Ausland. Das neue Flagghotel von Marriott International ist nun offiziell eröffnet und bei Tagesraten von rund 260 Euro je Nacht gut gebucht. Jedoch auch auf dem zweiten Blick mag in dem eigensinnigen Haus kein rechtes Wohlgefühl aufkommen.

Der Designer, der Berliner Tassilo Bost, hat den Betreibern – Arabella Hospitality und Marriott Int. – verboten, an den Wänden etwas aufzuhängen und Pflanzen oder frische Blumen aufzustellen. Man solle sich ganz dem Raum widmen und dem Ausblick über Elbe und Hafencity. In der Tat: In den Ecksuiten ist der Blick vom Bett und aus der Badewanne majestätisch; da kommt Hochgefühl wie in New York City oder Hongkong auf. In welchem Hotel in Deutschland kann man schon aus der Wanne in die Ferne schweifen? Aber der oktroyierte Minimalismus versetzt der Stimmung merkliche Dämpfer. So sind Bar und Restaurant – etwas unglücklich im historischen Gebäudekern, dem Kaispeicher, mit Schießscharten-artigen Fensterchen eingepfercht – sehr hallig und wenig wohlig. Zudem sitzt man für zum Fahrstuhl vorbei eilende Passanten wie auf dem Präsentierteller; ebenso in der etwas zu „glatten“ Lobby; hier spähen „Sehleute“ vom Umlauf außen durch die Fenster hinein.

Zwar beeindruckt die baulich herausgekitzelte Deckenhöhe in mancher Unterkunft – bis zu zehn Meter! – doch glatte Wände bieten eben keinen Blickfang. Da muss man sich seine Lieblingsbilder vielleicht selbst mitbringen …

Wenig überraschend ist, dass so mancher Architekt, der Hoteldesign als Spielwiese entdeckt hat, daneben liegt. Designunfälle sind immer wieder zu beklagen wie jüngst im 25 Hours Hotel Bikini Berlin (düstere Gänge & Zimmer) oder früher im Grand Hyatt Berlin, das aufwändig re-designt werden musste um erfolgreich zu werden. Auch im neuen Westin Hotel in der Elbphilharmonie liegt der Schluss nahe, dass in nahezu allen Bereichen des Hauses nachgearbeitet werden müsste. Gerade im mit 1.300 Quadratmetern sehr großzügig bemessenen Spa sind die allzu uneingerichteten Treatment-Zimmer und auch der Private Spa wunde Punkte.

Über Design kann man bekanntlich nicht streiten. Man hat gutes Design oder eben nicht. Im Westin Hamburg hat man – bei einer begeisternden Lage und einer beeindruckenden, aber mit etlichen baulichen Schwierigkeiten behafteten Immobilie, noch viel Luft nach oben.


The Westin Hamburg in der Übersicht:
Elbphilharmonie in der Hafencity
244 Zimmer und Suiten auf den Etagen 9 bis 20
Higlights:
Eigner Suite in 19. Etage (162 qm) und 270-Panorama-Ausblick
„Elb Spa“ (1300 qm) mit 20-Meter-Pool, Außenterrasse und Private Spa
Pächter: Arabella Hospitality
Management: Marriott Int.
General Manager: Dagmar Zechmann
Übernachtung ab 260 Euro je Nacht (bei Direktbuchung)
http://www.westinhamburg.com

Comments

  1. Ich bin dankbar für ein klares Wort zur Designanmutung. So ein extremes Gebäude beim Interior nacharbeiten zu müssen, ist aber auch für einenunbestritten guten Designer wie Bost keine Schande. Diese raumwirkungen kann man nicht simulieren, man muß sich Ihnen schrittweise annähern. Hoffentlich passiert es auch, leider gibt es meist nach der Fertigstellung dafür kein Budget mehr.

Trackbacks

  1. […] Lesen Sie dazu auch: Designunfall oder ultracool: Neues Westin Hotel in der Elbphilharmonie in Hamburg besticht durch ein… […]

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