Sind Ihre Mitarbeiter in Erste Hilfe gut ausgebildet? Hotels müssen bei Sicherheit besser werden

Erste HilfeHamburg, 13. November 2016 – Klartext von einem wichtigen europäischen Staatsführer: „Es gilt auch, eine neue Sicherheitskultur zu entwickeln, neue Reflexe, um die Bedrohung gänzlich in unseren Alltag zu integrieren. Alle Staatsbürger müssen für die Sicherheit aktiv werden, indem sie sich in Erster Hilfe ausbilden lassen, indem sie sich die Verhaltensregeln im Fall eines Attentats einprägen oder indem sie einen Teil ihrer Freizeit im Dienst der Sicherheits- und Verteidigungskräfte verbringen.“ Das tat Manuel Valls, Ministerpräsident von Frankreich, in einem Gastbeitrag für die „Welt am Sonntag“ kund.

Hand auf’s Herz: Werden die meisten Mitarbeiter wirklich in Sachen Erste Hilfe ausgebildet und das Wissen um die Rettung ständig aufgefrischt? Die Verpfflichtung zur Ersten Hilfe besteht, doch viele Hotel- und Gastromitarbeiter trauen sich, in der Angst etwas falsch zu machen, nicht an Verletzte ran.

Bei den meisten Menschen liegt der Erste-Hilfe-Kurs lange zurück. Ein Gastbetrieb kann Mitarbeiter gezielt fördern, indem man die Teams zu Rettungskursen schickt. Auch ganz wichtig: Kontrollieren Sie die Verbandskästen, ob wichtige Materialien fehlen und abgelaufene Salben und andere Medikamente erneuert werden müssen.

Die Pflicht zur Ersten Hilfe besteht immer und überall – auch in Hotels. Das ist in der Unfallverhütungsvorschrift festgehalten. Darauf weist der Hotelsicherheit spezialisierte TV-Experte Ulrich Jander hin. Angestellte mit einer Schulung oder Ausbildung zum Ersthelfer übernehmen im Ernstfall die Versorgung von Verunglückten, etwa, wenn ein Gast ausgerutscht ist und sich verletzt hat.

Doch: Personelle Engpässe bei Rettungsdiensten könnten dazu führen, dass es bald keine ausgebildeten Ersthelfer in Hotels mehr gibt. Den Rettungsdiensten wie DRK oder Caritas fehle es zur Betreuung und Ausbildung von Ersthelfern an Personal, vor allem an Zivildienstleistenden. Aus diesem Grund könnte es passieren, dass örtliche Rettungsdienste Hoteliers für die Rettungsausbildung Absagen erteilen. In diesem Fall, so empfiehlt Jander, sollten sich Hotelbesitzer an die Berufsgenossenschaft beziehungsweise das Amt für Arbeitsschutz wenden.

Im Idealfall kommt im Hotel auf rund 20 Beschäftigte ein Ersthelfer. Dieser ist oft selbst angestellt und wird regelmäßig in Erster Hilfe unterwiesen. Auf diese Weise kann er sein Wissen auffrischen und sich auf dem aktuellen Stand halten.


Zum Hintergrund:

  • Der Gesetzgeber schreibt vor, dass eine ausreichende Anzahl von Ersthelfern im Betrieb vorhanden sein muß. Dies wird auch bei den Begehungen durch den Technischen Aufsichtsdienst der Berufsgenossenschaften sowie durch das Amt für Arbeitsschutz abgefragt.
  • Die Ausbildung erfolgt über die etablierten Rettungsdienstorganisationen, die bei einer ausreichenden Anzahl von Teilnehmern auch in das Hotel kommen und dort die Schulung machen.
  • Die Kosten für die Ausbildung werden über die Berufsgenossenschaft übernommen, weitere Kosten fallen nicht an.
  • Zwar gibt es wie in vielen Bereichen auch mal Leute, die dann noch zusätzlich dem Hotel irgendwelche Zusatzleistungen, Verbandmaterial oder AED für doch etwas überhöhtes Geld andrehen wollen. Dazu Experte Jander: „Seien Sie sie da zurückhaltend und erkundigen Sie sich bei dazu bei Sachverständigen.“

Wie man Terrorabwehr organisieren kann
Terroristen, die Hotels im Visier haben, sind nur sehr schwer auszumachen. „Es gibt verschiedenste Arten, Anschläge durchzuführen. Sei es mit Autobomben oder platzierten Sprengsätzen direkt im Gebäude oder mit automatischen Waffen“, gibt Jander zu bedenken. In den meisten auch von ausländischen Gäste stark frequentierten Hotels gebe es keine Sicherheitskonzepte. „Es erweckt den Eindruck, dass Hoteliers in Deutschland gar nicht das Gefährdungspotential erkannt haben“, so der Sicherheitsexperte. Zu den Grundlagen der Terrorabwehr gehört, dass Grundrisse von internationalen Hotels bei den Sicherheitsbehörden hinterlegt werden.

„Bitte haben Sie Verständnis, wenn wir nicht alles zum Thema Terroranschlag im Hotel in der Öffentlichkeit erklären könne. Wir wollen keine ‚Bastelanleitung‘ für Terrorristen geben“, sagt Jander.

Das gehört zu einem Notfallplan bei Terrorangriffen (Ausschnitt):

  • Grundrissplan des Gebäudes muss zentral hinterlegt werden, auch Feuerwehreinsatzpläne
  • Kennzeichnung der zentralen Stromversorgung durch den Netzbetreiber, um den Strom schnell abstellen zu können.
  • Wo lassen sich Internetleitungen und TV-Kabeleinspeisung schnell abstellen?
  • Für Geiseln: Hinweise zu alternativen Kommunikationswegen (wenn unbeobachtet)
  • Welche Fluchtmöglichkeiten gibt es für Geiseln: Fenster, Kellerfenster, Dachausstieg, Fluchtwege über Dächer angrenzender Gebäude?
  • Wie können sich Gäste in Sicherheit bringen, Türen verbarrikadieren?

„Solche Vorbereitungen im sog. Travel Risk Management gehören heute leider zur Gefahrenabwehr“, so Jander. Die wichtigen Informationen sollten zentral auf Servern der Hotelzentralen oder bei Gastronomie-Franchisegebern hinterlegt werden.

Für Hotelbetreiber gab es jüngst Signale zu noch mehr Aufmerksamkeit in Sachen Terrorschutz:

  • Stimmen die auf dem Meldeschein angegeben Daten (Name, Adresse, Herkunft) mit den Passdokumenten überein?
  • Ist der vorgelegte Ausweis echt? (Mit einer Schwarzlichtlampe lässt sich ein erster Check machen: Echte Papiere haben ein Wasserzeichen und Leuchtstreifen)
  • Lässt sich ein Gast häufiger Päckchen und Pakete anliefern
  • Lagert ein Gast Chemikalien in seinem Zimmer bzw. Apartment?
  • Ist ein Gast extrem kontaktscheu und weicht Blicken stets aus?
  • Bekommt ein Gast häufiger von kontaktscheuen Männern Besuch?

Arabisch sprechende Hotelmitarbeiter können bei Verdachtsfällen im direkten Gespräch mit dem Gast womöglich mehr erfahren – oder Mutmaßungen ausräumen. Trotz erhöhter Terrorgefahr sollten Hotelier ihre Weltoffenheit nicht aufgeben, jedoch ein wenig genauer beobachten.

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