Der Airbnb-Effekt: Warum aus der Bedrohung eine große Chance für die Hotellerie wird

Symbolfoto: AirbnbBerlin, 07. November 2016 – Airbnb ist stärker als je zuvor: In Berlin stieg die Zahl der Übernachtungsstätten auf rund 12.800. Zum Vergleich: In der Hauptstadt gibt es gerade einmal 780 Hotels. Trotz eines gesetzlich verordneten Zweckentfremdungverbots vermieten offenbar immer mehr Berliner freie Zimmer, dagegen ist die Zahl der kompletten Wohnung bei Airbnb zurück gegangen.

Der (unheimliche) Aufstieg der Parahotellerie – weltweit sind laut Hoteldaten-Experte Johannes K. Svoboda rund 50 Prozent aller Übernachtungsmöglichkeiten mittlerweiler provater Natur – bringt die kommerzielle Hotellerie in große Nöte. Obwohl verschiedene Vorstöße zu fairem Wettbewerb wie jüngst in New York City und die Selbstverpflichtung von Airbnb in Europa, ihre privaten Nutzer als Gastgeber ordentlich registrieren zu lassen, als Etappensieg zu verzeichnen sind, ist die Übermacht schier erdrückend. Längst stellt sich die Frage: If you can’t beat them, join them!

Die technische Anbindung an Airbnb mittels einer Zwei-Wege-Schnittstelle ist selbst für Travel-Tech-Innovatoren wie Novum Hotels (noch) schwierig; die Buchbarkeit lässt sich bislang nur durch Umwege herstellen. Abzuwarten bleibt, ob Schnittstellen zu Wimdu/9flats (fusioniert und den Hauptsitz aus rechtlichen Gründen nach Singapur verlegt) schneller und einfach zu realisieren sind. Jedoch: Gerade einmal drei Prozent Buchungprovision machen Airbnb als neues OTA, und just so ist das Portal zu sehen!, sehr interessant. Begreift man bei Airbnb das Potenzial, ordentliche Hotels, Resorts und Ferienunterkünfte-Betreiber weltweit mit aufzunehmen, wäre die Marktmacht von Booking und Expedia in Gefahr.

Abseits der Angst stellt sich mit dem Airbnb-Effekt etwas Gutes ein: Selbst hartnäckige Offline-Hoteliers denken nun digital. Immer mehr Topmanager aus der Hotellerie nutzen selbst den Buchungsservice für private – und auch geschäftlich bedingte – Reisen und sind von der Usability der mobilen Buchungsstrecke begeistert; ebenso ist zu hören, dass man auch in Managementkreisen der Hotellerie gern private Zimmer bei Airbnb erfolgreich vermarktet. Zweiter Erfolgsfaktor ist die bildbetonte und authentische Vermarktung der Übernachtungsangebote und Destination. Da stimmt die Geschichte im Hintergrund eben – ganz im Gegensatz zum Menüchaos von Hotel-OTA. Ein weiterer, schleichender Effekt stellt sich ein: Der Trend zur Individualisierung verstärkt sich. Durch den internationalen Vermarktungserfolg von Airbnb fragen immer mehr Reisende nach unterschiedlichsten Unterkünften. Dies spielt der Privathotellerie in die Hände, da diese meist schlummernde Potenziale als einzigartige „Hideaways“ haben. Beobachter sind längst erstaunt über den immensen Aufwand, den Hotelkonzerne wie Marriott oder Accor betreiben müssen, um mit neuen, individuell erscheinenden Hotelkonzepten die neuen Zielgruppen zu erreichen.


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