Fachkräftemangel in Deutschland so drastisch wie seit 2006 nicht mehr

Eschborn/Taunus, 22. Oktober 2016 – Der Fachkräftemangel setzt die Wirtschaft in Deutschland weiter unter Druck. 49 Prozent der Unternehmen haben massive Probleme, offene Stellen zu besetzen. Das sind drei Prozentpunkte mehr als 2015 und der höchste Wert seit 2006. Für jeden siebten Betrieb hat sich die Situation gegenüber dem Vorjahr noch einmal verschärft. Das ergibt die Studie „Fachkräftemangel 2016“ des Personaldienstleisters Manpower.

Fachkräftemangel in Deutschland - Infografik: Manpower

In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Unternehmen mit akutem Fachkräftemangel kontinuierlich gestiegen. Lediglich 2010 und 2013 spürte die Wirtschaft in Deutschland eine vorübergehende Entlastung bei der Aufgabe, offene Stellen zu besetzen. „Die Schere zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt geht weiter auseinander. Bislang entschärfen Initiativen, Flüchtlinge schneller beruflich zu integrieren, den Fachkräftemangel kaum. Um ihnen den Zugang zum Arbeitsmarkt zu ermöglichen, müssen sich Unternehmen vor Ort mit Bildungsträgern und anderen Partnern zusammentun. Personaldienstleister können dabei eine zentrale Rolle übernehmen“, sagte Manpower-Chef Herwarth Brune.

Dazu kommt: Der durchschnittliche Aufwand für die Stellenbesetzung ist in den vergangenen Jahren signifikant gestiegen. Das Besetzen von Positionen mit passenden Talenten wird damit immer mehr zum Kraftakt für die Personalmanager. „Hier binden Unternehmen enorme Ressourcen, die sie eigentlich in Innovationen und die Weiterentwicklung ihrer Mitarbeiter investieren möchten“, so Brune.

Besonders große Schwierigkeiten haben Arbeitgeber, die Facharbeiter und Handwerker einstellen möchten. Diese Positionen sind weltweit zum fünften Mal in Folge am schwierigsten zu besetzen. In Deutschland rangiert diese Berufsgruppe sogar seit 2007 auf Platz 1 der Rangliste. Bei den Ingenieuren hat sich die Lage in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr und zu anderen Ländern weiter zugespitzt. Leichte Entspannung spüren die Personalmanager dagegen bei IT-Fachkräften. Am häufigsten bereitet den Unternehmen in Deutschland die rückläufigen Bewerberzahlen Kopfzerbrechen. Jeder dritte Arbeitgeber hat Probleme, Stellen zu besetzen, weil er nicht genügend Bewerber gibt. Doch das ist nicht der einzige Grund: Fast genauso häufig scheitert die Stellenbesetzung, weil Fachkenntnisse im Profil des Bewerbers fehlen.

Diese Fachkräfte auszusortieren, werden sich allerdings immer weniger Betriebe leisten können. „Eine erfolgreiche Stellenbesetzung hängt weniger davon ab, was Fachkräfte derzeit an Wissen und Know-how mitbringen, sondern von der Bereitschaft und Fähigkeit, schnell dazuzulernen“, sagte Mara Swan, Strategieexperte bei Manpower. „Unternehmen sollten sich deshalb nicht eingleisig darauf verlassen, dass die Zahl passender Kandidaten kurzfristig steigen wird. Es zahlt sich aus, in ihr Potenzial zu investieren und Kenntnislücken durch Weiterbildung zu schließen.“

Ranking der am schwierigsten zu besetzenden Positionen 2016 in Deutschland
1. Facharbeiter/Handwerker
2. Vertriebsmitarbeiter
3. Ingenieure
4. Management/Executives
5. Ärzte und medizinische Fachangestellte (kein Pflegepersonal)
6. IT-Fachkräfte
7. Fahrer
8. Vertriebsleiter
9. Pflegekräfte
10. Restaurant- und Hotelfachkräfte

Deutschland trifft Fachkräftemangel härter
Weltweit gaben 40 Prozent der Unternehmen an, Schwierigkeiten zu haben, offene Positionen zu besetzen. So drastisch wie in Deutschland ist der Fachkräftemangel in anderen Ländern Europas nicht. In Norwegen hat sich die Lage im Vergleich zum Vorjahr deutlich entspannt. Nur jeder sechste Arbeitgeber (16%) meldet dort Probleme bei der Besetzung offener Stellen. 2015 waren es noch 30 Prozent. In den Niederlanden haben nur 17 Prozent der Unternehmen Schwierigkeiten, Personallücken mit Spezialisten zu füllen. In Großbritannien sind es, zumindest jetzt noch, 18 Prozent. Allerdings ist auch in diesen beiden Ländern der Wettbewerb um Talente härter als 2015. In einigen Ländern Osteuropas wie in Rumänien und Bulgarien ist die Situation teilweise noch drastischer als in Deutschland. Viele Fachkräfte wandern dort ab. Zugleich verschärft ein gestiegener Bedarf durch das sogenannte „Nearshoring“ den Fachkräftemangel vor Ort. Viele Unternehmen investieren derzeit lieber in Osteuropa als in klassischen Offshoring-Nationen wie Indien oder in Ländern mit geopolitischen Unsicherheiten.

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