Warum der Tourismus für Deutschland so wichtig ist – Zeit für ein eigenes Tourismusministerium und neues Agenda Setting in der EU

Hotel Adlon Kempinski Berlin - am Brandenburger Tor

Berlin, 27. September 2016 – Deutschland ist beliebt, mit Megafesten wie die Wiesn oder als Standort für internationale Kongresse. Der Tourismus steht heute für 4,4 Prozent der Bruttowertschöpfung. Rund drei Millionen Menschen sind in Deutschland im Tourismus beschäftigt. Das sind die Hauptargumente für mehr politische Aufmerksamkeit für die Touristik. Der Bundesverband Deutscher Tourismuswirtschaft (BTW) startete nun dazu eine entsprechende Kampagne.

Unter dem Slogan „Auf Zukunft gebucht – Die Tourismuswirtschaft“ soll die Kampagne in den kommenden Monaten über Anzeigenmotive, die Microsite www.die-tourismuswirtschaft.de, Social Media und verschiedene Veranstaltungen die Relevanz der Tourismusbranche als Arbeitgeber und Wirtschaftskraft vermitteln. „Insbesondere im politischen Dialog wollen wir noch zielgenauer darauf hinweisen, dass die Tourismuswirtschaft mit der Automobilindustrie und dem Maschinenbau auf Augenhöhe ist“, sagte dazu BTW-Präsident Michael Frenzel.

Die steigende Zahl der Übernachtungen von immer mehr Gästen aus dem Ausland haben in den vergangenen Jahren für neue Rekordmarken gesorgt. Auch in diesem Jahr könnte ein neuer Höchstwert erreicht werden. Im politischen Berlin scheint man dies zwar zu hören, aber bislang nicht ausreichend zu würdigen. Zwar sprach die Bundeskanzlerin gestern beim „Tourismusgipfel“ in Berlin, aber nötige Zugeständnisse bei der seit Langem versprochenen Arbeitszeitflexibilisierung und dringend benötigten Änderungen bei der EU-Pauschalreisrichtlinie sind noch nicht in Sicht.

Zwar beauftragt die Bundesregierung mit Iris Gleicke abermals eine Staatssekretärin, sich um den Tourismus zu kümmern, doch dies ist für die SPD-Politikerin nur ein Job von mehreren. Ihre Auftritte und Äußerungen zur Touristik sind bislang überschaubar.

Von einem hohen Stellenwert des Tourismus in der Wirtschaftspolitik – so wie beispielsweise in Österreich und der Schweiz – ist man hierzulande noch entfernt. Wie bedeutsam die Tourismuswirtschaft für den Wachstumsmotor ist, wurden zuletzt im Jahr 2000 (Weltausstellung „Expo 2000“) und zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 deutlich. Neben arbeitsmarkt- und wirtschaftspolitischen Themen bedarf die fortschreitende Digitalisierung besonderen Augenmerks: Ausbau der Breitbandnetze, Förderung von (kostenfreien) Wlan-Hotspots und Abbau von bürokratischen Barrieren im E-Commerce (Onlinebuchungen).

Die Fülle und der Tiefgang der Themen legt nahe, dass die politische Elite Berlins über den Aufbau eines Tourismusministeriums – bei gleichzeitigem Agenda-Setting auf EU-Ebene – nachdenken sollte.


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