Flüchtlinge sind eher Arbeitskräfte von übermorgen – Wer sichert die Zukunft in Hotellerie und Gastronomie?

Flüchtlinge lösen Personalprobleme in GastronomieWien/Berlin, 05. Juli 2016 – Die Nachricht aus Österreich macht zuversichtlich: An der Wiener Berufsschule Gastgewerbe wurde eine Klasse für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge eröffnet und neun junge Leite haben nun auch eine Ausbildungsstelle im Gastgewerbe gefunden. Immerhin. Hierzulande wird klar: (Junge) Flüchtlinge sind allenfalls Arbeitskräfte von übermorgen.

Einer aktuellen Statistik der Agentur für Arbeit zufolge gibt es derzeit rund 131.000 arbeitslos gemeldete Flüchtlinge. Dreiviertel davon können keine formale Berufsausbildung bieten und kommen somit nur für Helfertätigkeiten in Frage. Zwar seien 60 Prozent der Migranten jünger als 35 Jahre. Dennoch rechnet die Arbeitsagentur mit mindestens fünf Jahren, bis ein junger Migrant die nötigen Sprachkenntnisse erworben sowie eine Berufsausbildung abgeschlossen hat, um als Fachkraft in der Wirtschaft eine Stelle zu finden. Obwohl 60 Prozent der arbeitswilligen Migranten jünger als 35 Jahre seien, rechnet man in der Arbeitsagentur mit mindestens fünf Jahren, bis ein junger Flüchtling genügend Deutsch gelernt und eine Berufsausbildung abgeschlossen hat, um als Fachkraft eine Stelle zu finden.

Daher geht man im Gastgewerbe in Mecklenburg-Vorpommern einen anderen Weg: Über das Programm „MobiPro EU“ wurden in den vergangenen drei Jahren rund 1.000 junge, arbeitswillige Leute aus Griechenland und Spanien geholt. Damit kann zwar längst nicht jede der offenen Ausbildungsstellen in Hotellerie und Gastronomie besetzt werden, aber die ausländischen Azubis seien eine Bereicherung, so der Dehoga-Landespräsident Guido Zöllick. Doch etliche der jungen Leuten springen wieder ab, aufhrund Sprachprobleme und der Mehrfachbelastung durch Arbeit im Betrieb, Berufsschule und Sprachlehrgänge.

In der Flüchtlingsklasse der Berufsschule Gastgewerbe in Wien hocken derzeit 16 Burschen aus fünf verschiedenen Ländern. „Erklärtes Ziel war, sie auf die Berufsausbildung eines Koches oder eines Restaurantfachmannes vorzubereiten“, berichtete Schuldirektor Erich Loskot. „Wesentlich waren auch das Erlernen der deutschen Sprache und gastronomische Fachausdrücke, der Praxisunterricht sowie die Auseinandersetzung mit unserer Kultur und unserem politischen System. Mit Ausnahme eines Jugendlichen sprach keiner Deutsch. Alle brachten jedoch unglaublich viel Motivation und Ehrgeiz mit, Deutsch zu lernen und sich auf eine Berufsausbildung vorzubereiten.“

Am Ende des Schuljahres können die Berufsschule, die Schulleitung, ein LehrerInnenteam und die Schüler nun auf einen schönen Erfolg verweisen. „Aufgrund einer sehr engagierten Arbeit eines LehrerInnenteams ist es gelungen, für neun Schüler einen Lehrplatz zu finden“, so der Direktor. „Weitere drei Schüler werden noch ein College besuchen und ihre Sprachkenntnisse verbessern, jedoch haben wir auch hier das Ziel, sie zu einem späteren Zeitpunkt bei der Arbeitssuche zu unterstützen.“

Insgesamt sei die Lehrstellensuche eine große Herausforderung für alle Beteiligten gewesen: „Lebensläufe und Bewerbungsschreiben wurden verfasst, Vorstellungsgespräche trainiert, Regeln im Umgang mit anderen Menschen am Arbeitsplatz vermittelt. Es gab aber auch viel Unterstützung außerhalb des Unterrichts wie Begleitung bei Arztbesuchen oder Behördenwegen“, so der Berufsschuldirektor. „Natürlich müssen wir jetzt noch hoffen, dass die Lehrberechtigten für unsere Schützlinge auch die notwendige Beschäftigungsbewilligungen erhalten werden“.

Zwei Schüler haben diese Hürde bereits geschafft und arbeiten als Lehrlinge in sehr guten Gastronomiebetrieben. Darüber hinaus werden die Schüler Anfang Juli Deutsch-Prüfungen außerhalb der Berufsschule absolvieren, die über Spenden finanziert werden. „Nicht nur unsere Schützlinge, sondern auch wir haben bei dieser Arbeit viel gelernt. Und wir haben viel Wertschätzung und Dankbarkeit seitens der jungen Asylwerber erhalten,“ so der Direktor.

Auf den Punkt brachte dies ein Schüler, der im Rahmen eines schulübergreifenden Projekts mit der Berufsschule für Haar- und Körperpflege auf eine Frage einer Schülerin antwortete: „Wir sind ohne unsere Familie nach Österreich gekommen. Wir sind alleine hier. Unsere Familie hier sind unsere Lehrer“.

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