Weniger Hotelgäste aus England? Voraussichtliche Auswirkungen des #Brexit Referendum auf den Tourismus

Brexit - Foto: ZDF/Dan GoodhartLondon, 24. Juni 2016 – Großbritannien soll 2019 aus der Europäischen Union ausscheiden – das ist das mehrheitliche Votum beim sog. #Brexit Referendum gestern. Die Auswirkungen auf den Tourismus sind bereits jetzt absehbar: Die Abwertung des Britischen Pfund gegenüber dem Euro verteuert Reisen von Briten in die EU. In den Hotels und Resorts ist mit Buchungsrückgängen aus diesem wichtigen Quellmarkt zu rechnen.

Wechselkurs 24. Juni 2016, 10h:
1 Britische Pfund = 1,2399 Euro, 1 Euro = 0,8065 Britische Pfund

Wechwselkurs 23. Juni 2016
1 Britische Pfund = 1,3139 Euro, 1 Euro = 0,7611 Britische Pfund

(Quelle: finanzen.net)

Welche mittel- und langfristigen Auswirkungen der Brexit auf den europäischen Tourismus haben wird, bleibt, ehrlich gesagt, abzuwarten. Ob Hotels gezwungen werden, mit Preisnachlässen um Gäste aus Großbritannien zu werben, ist nur eine möglicher Optionen.

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Der Brexit kann allerdings auch positive Auswirkungen auf Geschäftsreisen in die EU haben: Wenn Großbritannien in zwei Jahren mit dem Ausscheiden aus der EU das Recht verliert, Finanzprodukte von der Londoner Financial City auf den Kontinent zu verkaufen, könnten vermehrt britische Banker zu Langzeitaufenthalten in Serviced Apartments beispielsweise in Frankfurt/Main getrieben werden. Extended Stay-Angebote speziell für die Finanzbranche gilt es somit vorzubereiten.

Fritz Joussen, Vorstandsvorsitzender der im Londoner FTSE 100 Index notierten TUI Group, kommentierte dies so: „Das professionelle Risikomanagement der TUI Group hat alle denkbaren Szenarien analysiert. Wir sind gut vorbereitet und zuversichtlich, dass die TUI Group als ein wirklich globales Unternehmen von der Entscheidung nicht signifikant beeinträchtigt wird. Es bleibt abzuwarten welche Auswirkung die Entscheidung auf die britische Verbraucherstimmung haben wird.“

Für Reisen nach Großbritannien sind nach Experteneinschätzungen keine Hürden zu erwarten. Grenzkontrollen bestehen bereits denn Großbritannien gehört nicht zum sog. Schengen-Raum. Gegen die Einführung einer allgemeine Visums-Pflicht sprechen bürokratische Hürden und negative Folgen für den Inbound-Tourismus.

„Über mögliche wirtschaftliche Auswirkungen eines Brexit lässt sich insbesondere mit Blick auf die langfristige Dimension keine seriöse Prognose abgeben“, nahm Michael Frenzel, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft (BBTW) Stellung. Kurzfristig könne der Austritt Großbritanniens eine negative Signalwirkung auf die Gesamtstabilität der EU und eine destabilisierende Wirkung auch auf verschiedene Regionen der EU haben. „Das kann nicht im Interesse der Tourismuswirtschaft sein. Auch mit Blick auf die großen Weltregionen wie USA, China oder Südamerika ist Europa darauf angewiesen, seine Kräfte zu bündeln um ein Partner auf Augenhöhe zu sein“, so Frenzel.


Expertenmeinung: Folgen der #Brexit Abstimmung
Diana Panke (Foto: privat)Politikwissenschaftlerin Diana Panke über mögliche Auswirkungen des Referendums in Großbritannien für die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten:

Am 23. Juni 2016 haben sich die Bürgerinnen und Bürger Großbritanniens in einem Referendum gegen den Verbleib des Königreichs in der Europäischen Union (EU) ausgesprochen. „Der Vertrag von Lissabon, auf dem die heutige EU basiert, sieht in Artikel 50 vor, dass ein Austritt eines Mitgliedstaats möglich ist und innerhalb zweier Jahre die genauen Konditionen verhandelt werden“, erklärte die Freiburger Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Diana Panke. „Viele der wirtschaftlichen und politischen Konsequenzen des Austritts Großbritanniens aus der EU hängen von den dabei auszuhandelnden Modalitäten ab.“

Es seien zwei Szenarien denkbar, in denen sich jeweils für die anderen 27 EU-Mitgliedstaaten wirtschaftlich weniger ändern würde als für Großbritannien selbst: „Sollte Großbritannien weiterhin Zugang zum Binnenmarkt haben, muss das Land dafür die Mehrheit der EU-Binnenmarktregeln anerkennen und einhalten – ohne diese dann noch mitbestimmen zu können – und auch entsprechende Zugangsgebühren bezahlen“, so Panke. Damit könnte Großbritannien wirtschaftliche Einbußen reduzieren, hätte aber politische Handlungsbeschränkungen. Sollte Großbritannien sich hingegen ganz von der EU lösen, würde es ein Drittstaat werden, der dementsprechend Zölle bezahlen muss, um im Binnenmarkt der EU Waren und Dienstleistungen anzubieten. „Dies verteuert die Produkte und führt mit großer Wahrscheinlichkeit zu erheblichen Einbußen im Handelsvolumen Großbritanniens mit der EU, dämpft die britische Wirtschaft und macht Großbritannien sehr viel weniger attraktiv für ausländische Investitionen.“

Darüber hinaus könne der Austritt eines EU-Mitglieds politische Turbulenzen in den anderen EU-Mitgliedsländern nach sich ziehen, sagt Panke: „Er kann beispielsweise Populistinnen und Populisten und Anti-EU-Parteien zu Aufwind verhelfen und so die Frage lauter werden lassen, ob man die Integration weiter vertiefen sollte und ob weitere Länder der EU beitreten sollten.“

Diana Panke ist Professorin für Politikwissenschaft mit Schwerpunk Governance in Mehrebenensystemen am Seminar für Wissenschaftliche Politik der Universität Freiburg und beschäftigt sich mit Institutionen wie der EU und den Vereinten Nationen.


ZDF Politbarometer zum #Brexit - Grafik: ZDF/Forschungsgruppe Wahlen

ZDF-Politbarometer – Mehrheit: EU wird wegen #Brexit nicht zerbrechen – Urteil der Deutschen zur EU fällt so positiv aus wie noch nie
Die Briten haben sich mehrheitlich gegen einen Verbleib ihres Landes in der Europäischen Union entschieden. Die meisten Deutschen dürften den Ausgang des Referendums bedauern, denn gut zwei Drittel (69 Prozent) sprachen sich in dieser Woche gegen den so genannten Brexit aus. Nur 7 Prozent sagten, sie fänden einen Austritt Großbritanniens aus der EU gut, und 22 Prozent der Befragten war es egal, ob das Land weiterhin Mitglied der EU ist (Rest zu 100 Prozent hier und im Folgenden „weiß nicht“).

Wenn das Vereinigte Königreich die EU verlässt, rechnen 34 Prozent damit, dass dies Deutschland wirtschaftlich stark schaden wird, 56 Prozent halten die wirtschaftlichen Folgen bei uns für nicht so gravierend. 31 Prozent gehen davon aus, dass der Brexit längerfristig zu einem Auseinanderbrechen der EU führen wird, eine Mehrheit von 63 Prozent befürchtet dies nicht.

Mit Blick auf die Entwicklung in den nächsten zehn Jahren erwarten nur 16 Prozent, dass sich die Mitgliedsstaaten der EU enger zusammenschließen werden, knapp ein Drittel (32 Prozent) ist der Meinung, es wird in diesem Zeitraum zu mehr Eigenständigkeit der Mitgliedsstaaten kommen und für 45 Prozent wird es da keine großen Veränderungen geben.

Das Urteil der Deutschen zur EU fällt so positiv aus wie noch nie im Politbarometer. Erstmals glaubt eine Mehrheit von 45 Prozent, dass uns die Mitgliedschaft eher Vorteile bringt, nur für 14 Prozent überwiegen die Nachteile und für 38 Prozent gleichen sich Vor- und Nachteile aus.

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