Diskrepanzen bei der Ausbildung in Hotellerie und Gastronomie – Neue Studie legt zum Teil erheblich unterschiedliche Auffassungen zwischen Azubis und Ausbdilungsbetriebe offen

Azubis im Design Hotel Der Blaue Reiter KarlsruheBerlin/Solingen, 06. Juni 2016 – Die Wünsche und Vorstellungen der immer weniger werdenden Auszubildenden werden von Arbeitgebern in wichtigen Kriterien falsch eingeschätzt. Bei wichtigen Themen kommen erhebliche Diskrepanzen zutage, wie die neue Studie „Azubi-Recruiting Trends 2016“ deutlich macht. Für die Untersuchung wurden 967 Online-Fragebögen von Azubis, Schülern und Ausbildungsverantwortlichen von Prof. Dr. Christoph Beck (Hochschule Koblenz) im Auftrag von U-Form Testsysteme ausgewertet.

Infografik. zum Pdf-Abruf: Azubi-Recruiting Trends 2016

Die wichtigsten Studienergebnisse in der Übersicht?

Frage: Was, glauben Sie, ist Ihren Bewerbern bei der Wahl des Ausbildungsberufes sehr wichtig?
Zusammenfassung der Ergebnisse: Ausbildungsverantwortliche unterschätzen etwa die Passung zu den Fähigkeiten und Interessen der Azubis (von 40% genannt) und überschätzen mit 49 Prozent die „guten Verdienstmöglichkeiten“, die nur von 23 Prozent der Azubis priorisiert werden.

Frage: Welches sind für Dich die drei wichtigsten Faktoren bei der Wahl des Ausbildungsbetriebs?
Zusammenfassung: Bei den Auswahlkriterien liegen die Bekanntheit des Betriebs (44%), die Nähe zum Wohnort (39%) und das Vorliegen der Möglichkeit, den gewünschten Beruf zu erlernen (34%), vorn. Von den Ausbildungsverantwortlichen unterschätzt wird das Kriterium „Jobsicherheit“, das 26 Prozent der Azubis favorisieren: Nur elf Prozent der Ausbildungsverantwortlichen glauben, dass „Jobsicherheit“ für die Azubis eine Rolle spielt. Ähnlich unterschätzt werden „Aufstiegschancen“, die von 27 Prozent der Azubis, aber nur von 15 Prozent der Ausbildungsverantwortlichen genannt werden.

Weitere Studienergebnisse:

Inhalte der Kochausbildung
Gezielt nachgefragt wurde bei der Studie zu den Inhalten der Kochausbildung. In zahlreichen Kommentaren teilten Azubis mit, was ihnen aktuell dabei fehlt. Defizite gibt es aus ihrer Sicht vor allem auf drei Themenfeldern: Praxisbezug, Modernität („veganes Essen“, „aktuelle Garmethoden“) und betriebswirtschaftliche Inhalte („Einkauf“, „Rechnungswesen“).

Auswahl nach Schulnoten?
52 Prozent der befragten Betriebe können es sich vorstellen, in der Erstauswahl Tests statt Schulnoten zu nutzen. 56 Prozent der Azubis fänden es „sehr gut“ oder „gut“, wenn Betriebe der Branche in der Erstauswahl nicht auf Schulnoten schauen würden. 85 Prozent der Azubis begrüßen es, wenn Unternehmen neben Leistungsfaktoren auch Persönlichkeitsaspekte testen.

Ausbildungsangebote für Flüchtlinge – in der Branche besonders häufig
57 Prozent der befragten Ausbildungsverantwortlichen aus Hotel- und Gastronomieunternehmen sehen die „aktuelle Einwanderung von Flüchtlingen“ als Chance für ihren Betrieb, branchenübergreifend sind es 34 Prozent. 26 Prozent der Hotel- und Gastronomieunternehmen machen Flüchtlingen aktuell Ausbildungsangebote, branchenübergreifend tun dies nur 16 Prozent. Auch die Azubis der Branche sind für die Integration von Flüchtlingen in die Ausbildungen der Branche offen: 76 Prozent von ihnen sehen Flüchtlinge nicht als „Konkurrenten auf dem Arbeitsmarkt“.

Schwierige Stellenbesetzung in Hotel und Gastronomie
Im Vergleich zu anderen Branchen fiel es dem Hotel- und Gastronomiegewerbe 2015 den Studienergebnissen zufolge schwerer, die eigenen Ausbildungsplätze zu besetzen. Während 2015 branchenübergreifend 31 Prozent der befragten Betriebe nicht alle Ausbildungsplätze besetzen konnten, waren es in der Branche knapp 60 Prozent. In den zahlreichen Kommentaren der teilnehmenden Ausbildungsverantwortlichen machen diese ganz unterschiedliche Gründe für Schwierigkeiten bei der Besetzung von Ausbildungsstellen aus. „Schlechte Arbeitszeiten, schlechte Bezahlung, schlechtes Bild in der Öffentlichkeit“, fasst ein Teilnehmer die Lage zusammen.

Klage über fehlende Förderung, Arbeitsbedingungen und Betriebsklima
Azubis aus Hotellerie und Gastronomie beklagen im Branchenvergleich auffallend oft fehlende Förderung, schlechte Arbeitsbedingungen und einen rüden Umgangston: „Macht eure Berufe attraktiver – Lohn, Arbeitszeit, Verantwortung, Betriebsklima, Ausbildungsinhalte – und motiviert eure Azubis, statt sie auszunutzen!“, empfiehlt ein Azubi-Teilnehmer. „Die Betriebe sollten ehrlich sein und den Azubis auf Augenhöhe und mit Achtung begegnen!“, meint ein anderer.

Angebote zur Passung machen
„Azubis möchten als Persönlichkeiten ernst genommen und respektiert werden – und sie wünschen sich Ausbildungsberufe, die zu ihnen passen. Betriebe können bei Azubi-Bewerbern punkten, wenn sie sichtbar auf ein gutes Klima achten und Bewerbern Angebote machen, mit deren Hilfe sie herausfinden können, ob Hotel und Gastronomie ‚ihr Ding‘ sind“, sagte dazu Felicia Ullrich, Geschäftsführerin von U-Form Testsysteme und Initiatorin der Studie. „Jugendliche sollten durch Schnupperpraktika oder Ferienjobs testen, ob ihnen die Arbeit mit Gästen oder in der Küche liegt und ob es mit den Kollegen im Betrieb funktioniert. Für Ausbildungsbetriebe ist es wichtig, gut strukturierte Praktika anzubieten, die Lust machen auf die Branche. Auch Tage der offenen Tür oder Gütesiegel im Rahmen der Initiative ‚Gute Ausbildung für die Gastgeber von morgen‘ geben Anhaltspunkte, wo Top-Ausbildung stattfindet“, empfiehlt Ernst Fischer, Präsident des Dehoga-Bundesverbandes, der die Studie unterstützt hatte.

Für die Branchenedition Hotel und Gastronomie der Studie „Azubi-Recruiting Trends 2016“ wurden 733 Azubi-Bewerber und Azubis sowie 234 Ausbildungsverantwortliche befragt. Mit dem Erlös aus dem Verkauf der Studie unterstützt U-Form Testsysteme die Initiative „Joblinge“. Bestellung unter www.testsysteme.de/studie.

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