Sicherheit Fehlanzeige: AfD-Gegner stürmen erneut Hotel – Gast verletzt

ZDFinfo-Doku und Info-StammtischHameln, 13. Mai 2016 – Die politische Auseinandersetzung wird immer härter: Erneut stürmten Vermummte eine AfD-Veranstaltung in einem Hotel. Dabei wurde eine 60-jährige Frau leicht verletzt.

Angesichts der zunehmenden Attacken auf Hotels und Restaurants überlegen immer öfter Gastronomen, ob sie Veranstaltungen der AfD zulassen wollen. Was nun in Hameln passiert, bekräftigt die Befürchtungen vieler um die Sicherheit ihrer Gäste, Mitarbeiter und Unversehrtheit des Hauses. Gestern abend stürmten vier vermummte Personen den Speisesaal eines Hamelner Hotels und störten durch wildes Herumlaufen und Verteilen bzw. in die Luft werfen von Anti-AfD-Flyern die Veranstaltung.

Es kam dann – nach den bisherigen Erkenntnissen der Polizei – zu kurzen Rangeleien, da die Parteimitglieder versuchten, die Flucht der Vermummten durch Festhalten zu verhindern. Eine Teilnehmerin der AfD (60) wurde bei diesem Gerangel durch einen Ellenbogenstoß ins Gesicht leicht verletzt. Die störenden Personen konnten nach wenigen Minuten, letztlich unerkannt, durch eine Terrassentür aus dem Hotel in den angrenzenden Bürgergarten flüchten.

Die Fahndung der Polizei verlief ergebnislos. Da die Einsatzführung nach Eingang der ersten Meldung von einem (Raub-)Überfall ausging, wurde auch ein Polizeihubschrauber eingesetzt. Die Polizei ermittelt nun wegen Körperverletzung und Hausfriedensbruch.

Wie gehen Sie mit Frauke Petry & Co um – laden Sie die AfD aus?
Die AfD ist aktuell die drittstärkste politische Kraft in Deutschland. In der Gastronomie jedoch, kommt es wieder zu Unmut über die politischen Tendenzen der jungen Partei. So lud kürzlich der Betreiber des „Hofbräukellers“ in München AfD-Chefin Frauke Petry wieder aus. „Das kann ich meinen Gästen nicht zumuten. Ich fürchte um den Ruf des Hofbräukellers und um die Sicherheit“, zitierte die „Süddeutsche Zeitung“ des Gastronomen Ricky Steinberg. Nun entschied jedoch das Landgericht München, dass der Mietvertrag zwischen der Partei und dem Hofbräukeller rechtens sei; die Veranstaltung müsse durchgeführt werden dürfen.

Die Furcht vor Attacken „vermummter Aktivisten“ auf AfD-Veranstaltungen in Hotels und Restaurants ist nicht unbegründet. So wurde kürzlich ein Hotel in Herford, wo eine Tagung der Partei stattfand, von 20 Personen gestürmt. Sie skandierten Parolen und schwenkten Transparente; zu Bruch ging offenbar nichts. Anders war dies in Stuttgart: Das Maritim Hotel wurde mit Farbbeuteln beworfen, da dort eineWahlparty der AfD stattfinden sollte. Dadurch wurden die Fassade des Hotels und mehrere Fenster auf einer Fläche von rund 25 Quadratmetern mit brauner Farbe verschmiert. Im Februar enterten AfD-Gegner das Dach eines Hotels in Kassel und stürmten einen Tagungssal, um AfD-Politiker mit Torten zu bewerfen. Die mit Videokameras gefilmte „Tortenschlacht“ wurde als „tortaler Krieg“ im Internet verbreitet.

Immer wieder sorgen sich Gastronomen und Hoteliers um die Sicherheit ihrer Gäste, Mitarbeiter und Betriebe – und lehnen daher AfD-Veranstaltungen ab. Offizielle Handlungsempfehlungen für den (politisch fairen) Umgang mit AfD-Tagungen gibt es bislang nicht.

Im äußersten Fall einer gewalttätigen Attacke müsse ein Notfallplan greifen, rät der auf Travel Risk Management spezialisierte Hotelberater Ulrich Jander. Das gehört zu einem Notfallplan bei Terrorangriffen (Ausschnitt):

  • Grundrissplan des Gebäudes muss zentral hinterlegt werden, auch Feuerwehreinsatzpläne
  • Kennzeichnung der zentralen Stromversorgung durch den Netzbetreiber, um den Strom schnell abstellen zu können.
  • Wo lassen sich Internetleitungen und TV-Kabeleinspeisung schnell abstellen?
  • Für Geiseln: Hinweise zu alternativen Kommunikationswegen (wenn unbeobachtet)
  • Welche Fluchtmöglichkeiten gibt es für Geiseln: Fenster, Kellerfenster, Dachausstieg, Fluchtwege über Dächer angrenzender Gebäude?
  • Wie können sich Gäste in Sicherheit bringen, Türen verbarrikadieren?

„Solche Vorbereitungen im sog. Travel Risk Management gehören heute leider zur Gefahrenabwehr“, so Jander. Die wichtigen Informationen sollten zentral auf Servern der Hotelzentralen oder bei Gastronomie-Franchisegebern hinterlegt werden.

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