Jetzt muss Bier für umweltpolitische Kampagnen herhalten – „Wahrscheinlich krebserregend“?

Bier bleibt sauber - Foto: Hacker-PschorrMünchen – Aufregung am Morgen: Angeblich ist Bier im 500. Jahr des Reinheitsgebotes „wahrscheinlich krebserregend“. Das legt eine Verlautbarung des Umweltinstituts München nahe, die von einer Enthüllung berichtet: Man habe in einem Extremfall eine Überdosierung des Breitbandpestizids Glyphosat gefunden, „300-fach über dem gesetzlichen Grenzwert für Trinkwasser“. In einer Zusammenfassung der Laborergebnisse werden namhafte Biermarken an den medialen Pranger gestellt. Irgendwie scheint jede Brauerei betroffen zu sein, wird suggeriert: Der gesetzliche Grenzwert von 0,1 Mikrogramm je Liter Trinkwasser werde von 14 Biersorten zum Teil bei Weitem überschritten; die Veröffentlichung des Umweltinstitutes ist hier abrufbar. Dahinter steckt ein durchsichtiges, politisches Manöver. Umweltaktivisten wettern gegen die für Anfang März geplante EU-Entscheidung, „ob Glyphosat für mindestens weitere zehn Jahre auf unsere Äcker gespritzt werden darf“, notierte Foodwatch nur einen Tag zuvor.

Die WHO wertet Glyphosat, was als Unkrautvernichter seit Mitte der 1970er-Jahre in der Landwirtschaft im Einsatz ist, als „wahrscheinlich krebserregend“. Tatsächlich muss der Staff als „reizend“ und „umweltgefährlich“ gekennzeichnet werden. Da bleibt die Frage: Warum darf solch ein Pestizid überhaupt noch eingesetzt werden?

Die nächste Frage stellt sich sogleich: Warum müssen Bierbrauer im Jubiläumsjahr für ein politisches Manöver herhalten? Den Grundstoff ihres Produktes, Wasser aus deutschen Landen, können sie schwerlich austauschen.

„Wir appellieren an die Brauereien, ihre Produkte und Zutaten jetzt genau zu überprüfen. Sie müssen klären, wie Glyphosat in das Bier gelangen konnte und in Zukunft sicherstellen, dass ihre Produkte frei von Pestizidrückständen sind“, sagte die Biologin Sophia Guttenberger vom Umweltinstitut München. Man wolle nun eine Onlineaktion, mit der sich Verbraucherinnen und Verbraucher direkt an die Hersteller der getesteten Biere wenden können, starten. Damit wird gezielt gegen Brauereien geschossen und deutsches Bier, ein Exportschlager und Gästebringer im Gastgewerbe, angegriffen.

Der Industrie- und Handels-Dachverband Lebensmittelwirtschaft notiert dazu: „Ein Gesundheitsrisiko bei einem Erwachsenen besteht erst ab einem Bierkonsum von 3559 Liter lebenslang pro Tag. Oder für die Bayern: Das sind 3559 Maß pro Tag. Niemand muss also beim Konsum von Bier Angst vor Glyphosat haben. Vermutlich wäre man bei diesem Konsum sowieso vorher am Alkohol verstorben, bevor Krebsgefahr entstünde.“

Es bleibt abzuwarten, wann ein anderer Wissenschaftler zitiert werden kann, dass alles gar nicht so schlimm sein. Wie bei der Medienposse um rotes Fleisch im vergangenen Herbst: Da schreckte eine WHO-Studie auf, wer täglich 50 Gramm verarbeitetes Fleisch wie Wurst oder Schinken esse, bei dem erhöhe sich das Darmkrebsrisiko um 18 Prozent. Tatsächlich bleibe das Risiko sehr klein, analysierte ein renommierter Gastroenterologie. Dem Fleischabsatz hat das bislang nicht geschadet. Ob nun die Aktion aus München dem Bierkonsum schadet, bleibt abzuwarten.

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