Mergerfieber erfasst weltweite Reiseindustrie – Hotelexperten: Konsolidierungsprozess unausweichlich

Wien – Die internationale Reiseindustrie steht vor einem gewaltigen Konzentrations- und Konsolidierungsprozess. Die Übernahme der Starwood Hotels durch die US-Hotelkette Marriott war nur ein erstes Vorzeichen für die Umwälzungen auf dem Markt. Nach den Hotelketten werden die Airlines, Reiseveranstalter und Autovermieter folgen, erwartet so etwa der Vizepräsident der Intercontinental Hotels Group, Martin Bowen. Das sei mehr als nur ein Trend. „Wir sind da, um Geschäfte zu machen. Und Merger dienen dazu, Kosten zu sparen.“

Hotelexperten erwartet Fusionswelle

Internationale Hotelmanager und Experten erwarten eine Konsolidierungswelle in der Hotel- und Reiseindustrie bedingt durch das weitere rasante Wachstum. Kostendruck und Expansionshunger sind die Wachstumstreiber.

Bowen war einer der Diskussionsteilnehmer auf dem internationalen Hotel Investment Forum des Niederländers Frans Soede, das bereits zum achten Mal in Wiener Luxushotel Imperial stattfand. Das Forum war primär den Themenkomplexen „Design & Architecture“, „Hotel Development CEE-SEE-CIS“ und „Westafrika“ sowie dem internationalen „Hotel Investment Management“ gewidmet. Und kam unter anderem zum Ergebnis, dass Terrorismus, Kriege und Flüchtlingswellen die positive Entwicklung zwar stören, aber nicht aufhalten werden.

Übernahmen, Merger und Zusammenschlüsse seien die natürliche Folge des hohen Kostendrucks, der auf den Unternehmen laste, erläuterte Bowen. „Size matters. Die Größe zählt.“ Das bedeutet weniger Administrationskosten in Relation zur Zimmeranzahl, effizientere Vertriebsapparate und geringere Marketingausgaben. Auch für seine eigene Gruppe, die Intercontinental Hotels, kündigte Bowen Zukäufe an. Da gäbe es einige Targets. „Wir sind hungrig und wollen weiter wachsen. Auch durch Akquisitionen.“

Chinesen und Inder erobern Markt
Wie rasant die Entwicklung voranschreitet, zeigt das Wachstum bis vor wenigen Jahren noch völlig unbekannter internationaler Hotelgruppen. Ein Beispiel ist die indische Choice Gruppe mit 6.500 Hotels & Resorts weltweit, davon 500 in Europa. Auch sie will weiter wachsen. „Wir sind hungrig. Wir sind im Wettbewerb. Wir schauen uns um“, brachte es Managing Direktor Georg Schlegel in Wien auf den Punkt. Das gilt auch für Europa. Hier wolle man lokale Stärken nutzen und lokale Marken übernehmen.

Ein anderes Paradebeispiel für das Wachstum ist die junge chinesische Plateno Gruppe. 2005 mit sieben Häusern gestartet, betreibt sie inzwischen bereits über 3.000 Hotels und fünf Hotelmarken mit einem jährlichen Umsatz von fast zwei Milliarden Dollar und will die Zahl der Häuser bis 2018 noch einmal verdoppeln. Der Wiener Roland Paar, CEO der Gruppe, stellt klar: „Wir schauen nach Europa. China wird in den nächsten fünf bis zehn Jahren zum größen Outbound-Tourismusmarkt. Da wollen wir dabei sein.“

Russen verlieren im Wettbewerb
Während Amerikaner, Australier und Europäer international fleißig mitbieten, fallen die Russen im Wettbewerb weiter zurück. Die Sanktionen und der unsichere Rubelkurs haben dazu beigetragen, dass die Investitionsfreude in Russland selbst, aber auch von Russen im Ausland eingebrochen ist.

Igor Romanov von Azimut Hotels, vor zwei Jahren noch voller Optimismus, ist heute eingebremst. „Wir versuchen im Wettbewerb zu bleiben, aber es ist schwieriger geworden. Es gibt weniger Besucher aus dem Westen und die Kaufkraft der Russen selbst sinkt.“ Sein Ausblick ist verhalten optimistisch: „Russland ist ein großer Inlandsmarkt. Und es gibt noch viel zu tun, um die Hotel- und Hospitality-Branche zu verbessern.“

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