Angst vor Terror verunsichert auch Gastronomie

Berlin – Nach der Länderspiel-Absage von gestern Abend bleibt große Verunsicherung zurück. Die Angst vor einer Bombe, just das, was Terroristen erreichen wollen, grassiert, auch ohne Sprengstoff. Könnten sich die tödlichen Attacken von Paris auch in der Gastronomie in Deutschland wiederholen? Wenn nicht in einem Stadion, dann in einer „Sky Sportsbar“? Die Äußerung des Bundesinnenministers („Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern“) kann nicht beruhigen.

Kommentar von Chefredakteur Carsten Hennig

Die Lage sei weiterhin ernst, heißt es. Doch ganz nebenbei wurde eine weitere Eskalationsstufe erreicht. Wenn ein Stadion evakuiert wird, ein Musikkonzert abgebrochen wird, eine Bombenattrappe in einem IC gefunden wird und „Tatort“-Krimis nicht gezeigt werden, fragt man willkürlich: Was kommt als Nächstes? Deutschland ist in der Gastronomie ebenso verwundbar wie Frankreich. Polizeipatrouillen rund um die Uhr in Partyarealen sind kaum möglich, weil die Sicherheitskräfte auch infolge der Flüchtlingsströme bereits überfordert sind. Das ist mittlerweile deutlich zu beobachten.

Die Angst wird den Ruf nach innerer Sicherheit erneuern. Populisten nutzen dies weidlich aus – für markige Sprüche zu Lasten einer Vernunftspolitik. Sollten erste Kneipen – aus Angst – schließen, ist neues Maß dieses Angstterrorismus erreicht, das wir nicht einmal im Herbst 2001 erfahren mussten.

Deutschlands Gastronomen und Hoteliers sollten nun wachsam bleiben und auf jeden Fall die Türen weiterhin öffnen. Zum Glück verbieten die Herbststürme ein Terrassengeschäft und erübrigen damit die Frage nach vorbeugendem Terrorschutz.

Was zu tun bleibt, sind Standards, wie sie seit Jahren propagiert werden: Flucht- und Rettungswege noch einmal überprüfen (ob frei und unverstellt, Türen nur von innen zu öffnen, ordnungsgemäße Beschilderung intakt), HD-Überwachungskameras an allen Eingängen installieren, Notfallplan für Evakuierung aufstellen und mit Mitarbeitern detailliert besprechen (auf öffentlich sichtbare Evakuierungsübungen sollte man in diesem Tagen taktvoll verzichten).

Fundierte Vorbereitung wird die Angst vor einer Bombe schmälern. Hoffentlich, gewiss, mit Bestimmtheit! Auch wenn die obersten Terrorschützer in Kürze zugeben, dass man seit Längerem einen großen Angriff erwartet (habe), wird uns nur Mut und Zuversicht stärken. Zur Wahrung der persönlichen Freiheit und aller Grundrechte, auch der Religionsfreiheit!

Carsten HennigZum Kommentator: Carsten Hennig (45) editiert die namhafte Fachzeitschrift „gastronomie & hotellerie“ und ist als Anchorman von HOTELIER TV & RADIO präsent. Die Gastronomie und Hotellerie beobachtet der Journalist seit knapp zwanzig Jahren. Sie erreichen ihn per E-Mail: carsten.hennig@hussberlin.de

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