Keine Chance gegen Airbnb – Oder: Chancen mit Airbnb? New Hospitality Business bietet großen blauen Ozean der Möglichkeiten für mehr und besseres Geschäft mit Gästen

Airbnb - MietwucherBerlin – Die Zahlen sprechen für sich: In diesem Sommer buchten 17 Millionen Gäste bei Airbnb, 350 Mal mehr als vor fünf Jahren. Allein an einem Tag, dem 8.8., reservierten knapp eine Million Kunden bei dem Übernachtungsportal. Angesichts diese Übermacht stellt sich die Frage: Keine Chance gegen Airbnb?

Von Carsten Hennig, Chefredakteur von gastronomie & hotellerie

In der Hotellerie wird das Start-up einhellig als Bedrohung abgetan. Dabei greifen die pfiffigen Macher aus Kalifornien nur den Megatrend auf, der ohnehin schon da war – einfache, schnelle Vermietungen von sauberen Betten. So wie Marc Zuckerberg, der den Drang der Menschen nach Selbstdarstellung in das umwälzende Netzwerk Facebook umsetzte (noch so ein Welterfolg aus Kalifornien), ist Airbnb ein weiteres revolutionäres Buchungsportal, das es mit dem Oligopol der Priceline Group (booking.com) und Expedia aufnimmt.

„Die Hoteliers haben Airbnb völlig unterschätzt“, resümiert Hotelpapst Prof. Stephan Gerhard die vergangenen drei, vier Jahre. Heute steht man insbesondere im Airbnb-verseuchten Hotelmarkt Berlin vor einem Scherbenhaufen. Die Branchenverbände versuchen verzweifelt Ordnung in den neuen Wild-West-Kapitalismus vom „Jedermann-Hotelier“ zu bringen. Gebetsmühlenartig Brandschutzvorschriften zu wiederholen, die noch nicht einmal von einem Gutteil der überalterten Hotellerie richtig eingehalten werden, sind da bislang wenig überzeugend. Die Kommunen reagieren, aber nur langsam. Der Markt ist viel schneller.

In Berlin gibt es laut Airbnb rund 17.300 Unterkünfte, das sind ganze Wohnungen und Zimmer, der Großteil wohl illegal vermietet. Bis da eine Regulierung greife, vergehen noch ein, zwei Jahre, meint Gerhard. Wer glaubt, dann sei das Problem gelöst, unterschätzt die Macht der privaten Gastgeber abermals. Denn das Angebot an „authentischen Zimmern“, dem Schlüssel zur Stadt mit persönlicher Ansprache, war ja schon vorher da, es hieß nur anders.

Airbnb macht nur das buchbar, was viele Gäste wollen: Teile Deine Erlebnisse, verrate mir Deine Insights, schenke mir Aufmerksamkeit und ein wenig bequemen Komfort auf Reisen. Ergo genau das, was Gäste in vielen unpersönlichen Hotels vermissen. Chance Nr. 1 mit und durch Airbnb ist, sich auf diese Grundbedürfnisse zurück zu besinnen, als Zimmerwirt, besser: als Profi-Gastgeber nicht nur als Vermieter, der die Hand aufhält, aufzutreten, sondern als Begleiter, Betreuer, Ratgeber und – am besten – als neuer Freund an einem Lieblingsplatz.

Die Phänomene der Sharing Economy Bergen auch Chance Nr. 2 für die Hotellerie: „If you can’t beat them, join them“, lautet die Devise. Die professionalisierte Airbnb-Wohnraumwirtschaft benötigt Frühstücksservice, Reinigungsdienstleistungen, Versicherungen, Beratung bei behördlichen Auflagen wie Brandschutz und andere reisenahe Dienstleistungen wie Kofferaufbewahrung, Shuttle-Services, Eventticket-Verkauf und einiges mehr. Wer Premiumapartments in zentralen Lagen „authentisch“ vermietet, braucht mehr denn je just diese „weichen Faktoren“, wie sie eben Vollblut-Hoteliers verstehen und beherrschen. Wer pfiffig ist, sucht sich hier eine neue Marktlücke.

Ob nun Airbnb oder Wimdu oder 9flats oder wer anders: Solange Menschen „privat“ in einer Stadt untertauchen wollen, wie Einheimische auf Zeit, sind dezentrale Miniapartments gefragt. In Wien reagiert man – endlich! – auf diesen Megatrend. In einem typischen Bezirk entsteht nun das sog. Grätzel-Hotel, ein Konzept mit angemieteten Läden (zu wohnlichen Zimmereinheiten umgebaut) um einen Platz herum, mit Café-Rezeption und das ganz ohne Hotel-Nimbus. Betreiberin ist die bisherige Chefin des trendigen Lifestyle-Hotels 25hour und natürlich hat auch Hotelmacher Stephan Gerhard seine Finger mit im Projekt.

Daraus ergibt sich Chance Nr. 3 für die Hotellerie: Warum sich die verheißungsvollen Vermarktungspotenziale von Airbnb & Co entgehen lassen? Bieten Sie Ihre Serviced Apartments dort an, übrigens zu weit geringeren Kommissionen als bei Booking, HRS und Expedia. Diese „OTA der alten Schule“ (soweit sind wir in der digitalen Revolution schon gekommen) fürchten genau um diese unheimliche Dynamik.

Hinzu gelernt haben wir in den vergangenen, zehn, fünfzehn Jahren allemal. Das Buchungsgeschäft sollte man nie einem allein überlassen! Ansonsten wiederholt sich die Geschichte und man muss dann nicht gegen ein deutsches, inhabergeführtes Portal kämpfen, sondern gegen einen internationalen, börsengetriebenen Riesen. Also gilt es, kecke, direkte Vermarktungsstrukturen im Web selbst aufzubauen.

Wem all das zuviel ist, wer selbst keine Möglichkeiten im „new hospitality business“ erkennt, der muss sich auf die alte Rolle des guten Gastgebers konzentrieren. Nicht mehr und nicht weniger.

Good Morning, Hoteliers (29) – Hotelmanagement mit HOTELIER TV & RADIO - Ein Loblied auf die neuen Top-Köche Deutschland - Neuer Wochengruss von Carsten Hennig: http://www.hoteliertv.netCarsten Hennig (44) begleitet die Tophotellerie und Spitzengastronomie seit nahezu zwanzig Jahren als Fachjournalist, Blattmacher, Branchenkommunikator, TV- und Radio-Reporter. Er ist Chefredakteur von gastronomie & hotellerie, einem der führenden Fachmagazine für Hotel- und Gastromanagement in Deutschland (www.gastronomie-hotellerie.com), Gründer von hottelling.net und Anchorman von HOTELIER TV & RADIO. Den Autor erreichen Sie unter carsten.hennig@hussberlin.de

Trackbacks

  1. Anonymous sagt:

    […] Update: Das sehen auch andere so: Chancen für Hotels durch Airbnb […]

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