booking.com: Urteil: Hotel-Ranking gekauft?

(Berlin, 01. September 2011) Massig ärger bei booking.com: Das Hotelbuchungsportal soll Hotels gegen Zahlung von Provisionen bessere Positionen beim Ranking nach Gästebeliebtheit versprochen haben. Dies wurde nun in einem Urteil des Landgerichts Berlin deutlich. Die Wettbewerbszentrale hatte geklagt, da sie darin eine „grobe Täuschung“ sieht.

Auf Antrag der Wettbewerbszentrale hat das Landgericht Berlin mit Beschluss vom 25.08.2011, Az. 16 O 418/11 (nicht rechtskräftig) der niederländischen Betreibergesellschaft des Hotelbuchungsportals www.booking.com im Wege der einstweiligen Verfügung untersagt, in der Bundesrepublik Deutschland im Rahmen dieses Buchungsportals Hotelbetriebe unter der Rubrik „Beliebtheit“ in absteigender Reihenfolge zu platzieren, wenn für die an dem Ranking teilnehmenden Hotels die Möglichkeit besteht, das Ranking durch eine höhere Provision an das Buchungsportal zu beeinflussen. Ferner wurde untersagt, Hotelbetrieben die Möglichkeit einer positiven Beeinflussung des Rankings durch Provisionserhöhung anzubieten.

Im deutschsprachigen Buchungsportal listet booking.com Hotels in der Standardeinstellung unter dem Titel „Beliebtheit“ auf. Gleichzeitig bietet booking.com in den dortigen Geschäftsbedingungen Hotelbetrieben die Möglichkeit, die Reihenfolge der Auflistung durch Zahlung einer höheren Provision an booking.com positiv zu beeinflussen.

Mit dem Beschluss folgte das LG Berlin der Auffassung der Wettbewerbszentrale, die in dieser Praxis eine grobe Täuschung des Publikums sah. „Bei einer Sortierung von Hotels unter dem Titel „Beliebtheit“ erwarten die Nutzer, dass diese Darstellung auf unabhängigen Gästebewertungen beruht“, so Rechtsanwalt Hans-Frieder Schönheit, Mitglied der Geschäftsführung der Wettbewerbszentrale. „Keinesfalls rechnet der Interessent damit, dass das Hotel die Möglichkeit hat, die Darstellung durch erhöhte Provisionszahlungen an booking.com zu beeinflussen“, so Schönheit weiter.

Bei diesem insoweit „erkauften“ Ranking erleiden ferner die Hotelbetriebe gravierende Wettbewerbsnachteile, die zwar in der Bewertung durch Kunden besser abschneiden, sich aber der Zahlung höherer Provisionen verweigern. Aus Sicht der Wettbewerbszentrale entwertet das beanstandete Verhalten von booking.com die Glaubwürdigkeit von Hotelbuchungsportalen, die gleichzeitig mit Kundenbewertungen werben, insgesamt.

5 Antworten zu booking.com: Urteil: Hotel-Ranking gekauft?

  1. Wieviel 100.000. Gäste fühlen sich jetzt noch Ernst genommen?

  2. Wer wird jetzt noch ernsthaft via booking.com buchen? Oder darüber suchen? Und die Bewertungen ernst nehmen? Dann doch eben wieder holidaycheck? Ich denke, insbes. booking hat sich damit keinen Gefallen getan. Als Hotel sollte man jetzt dort am besten raus…

  3. ich stehe derartigen plattformen,die vorgeben, hotels durch kunden bewerten zu lassen, sehr skeptisch gegenüber, nachdem ich bemerkt habe, dass beiträge nach einspruch des hotelbetriebers vom plattformbetreiber (holidaycheck) massiv abgeändert wurden. es gibt auch hier wie fast überall massive finanzielle verquickungen, naiv, wer alles glaubt was diese vermeintlich neutralen und kundenorientierten plattformen behaupten.

  4. Man kann nur hoffen, dass die anderen etwas daraus lernen. So ein Spiel geht halt irgendwann auch mal zu Ende. Es ist richtig so, dass man als Hotelier das nicht gefallen lässt.

  5. Das ist gang und gäbe , nicht nur booking.com handelt so, sondern unter anderem auch Hotel.de (gehört zu HRS), LateRooms.com, UltraNet, Venere.com (gehört zu expedia), ClickBed, atrapalo, EasyToBook, agoda, CentranR, Booked.

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